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Beck erster Gratulant

TRIER. Mit vielen Gästen und jeder Menge Polit-Prominenz haben die Rheinland-Pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer und der ehemalige Staatssekretär Klaus Jensen in der Basilika St. Matthias in Trier geheiratet. ARRAY(0x2799eb770)

Für eine beschlussfähige Sitzung des Landeskabinetts hätte die Besetzung in der Apostelkirche allemal ausgereicht. Ministerpräsident Beck war erster Gratulant, die Kabinettskollegen Ahnen, Zöllner, Mittler und Stadelmaier folgten. Auch die Fraktionsspitzen Mertes (SPD), Kuhn (FDP) und Marz (Grüne) hatten am Freitagnachmittag den Weg nach Mattheis gefunden. Sie erlebten eine ebenso heitere wie unkonventionelle Hochzeitsfeier, bei der Gitarrenlieder die übliche Kirchenmusik ersetzten. Das Brautpaar, sie in einem schlichten, aber eleganten weißen Kostüm, er seiner Abneigung gegen Krawatten selbst vor dem Altar treu bleibend, trug Gedichte von Domin und Rilke vor. Hausherr Abt Ansgar, den Hochzeitern unverkennbar persönlich sehr verbunden, fand Worte jenseits aller Rituale. Es wurde fröhlich gelacht, sogar noch unmittelbar vor dem Ja-Wort, und nach vollzogener Trauung gab es im Altar-Gestühl tosenden Beifall, vom Bräutigam gestenreich angefeuert. Klaus Jensen brauchte im Gegensatz zu seiner Frau nicht weit anzureisen. Der 52-Jährige residiert mit seiner Stiftung, die die Kultur der Gewaltfreiheit fördert, unmittelbar im Basilika-Geviert.Neue Perspektive für die Trierer SPD?

Und seine Wohnung liegt gleich um die Ecke, im integrativen Wohnprojekt Schammatdorf, dessen Entwicklung er entscheidend mit gestaltet hat. 1994 wechselte er als Staatssekretär ins Sozialministerium nach Mainz. Wäre er das heute noch, müsste er mit seiner Frau auch als Chefin zurechtkommen: Malu Dreyer (43), einst Sozialdezernentin der Stadt Mainz, amtiert seit 2002 als Sozialministerin. Aber auf gemeinsamer ministerialer Ebene sind sie sich nie begegnet: 1999 gab Jensen, eine prägende Figur der Trierer Friedens-Szene, sein Mainzer Amt wegen der schweren Erkrankung seiner inzwischen gestorbenen ersten Frau Helene auf. Für den Freundeskreis und das politische Umfeld kam die Eheschließung nicht überraschend. In der Trierer Öffentlichkeit waren Klaus Jensen und Malu Dreyer zuletzt häufiger "im Duett" aufgetreten, auch bei den Basketballern in der Arena, die Jensen seit Jahren zu ihren treuesten Fans zählen können. Hinter den Basilika-Kulissen spekulierte mancher SPD-Genosse hoffnungsvoll über mögliche politische Perspektiven, die sich aus der persönlichen Verbindung ergeben. Immerhin ist Malu Dreyer jetzt "Halb-Triererin", und die SPD vor Ort sucht händeringend nach einem hochkarätigen Aushängeschild für die OB-Wahlen im Jahr 2006. Die gelernte Juristin, die Charisma und Volksnähe verbindet, wäre für die am Boden befindliche Trierer SPD eine Art rettender Engel. Ob ihr frisch gebackener Ehemann da zuraten würde, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Klaus Jensen, einst selbst als Hoffnungsträger gehandelt, hat inzwischen alle seine Trierer SPD-Ämter aufgegeben.