Beck und Kollege Billen

Die Politik ähnelt oft einem Fußballspiel. Es wird gekämpft, gegrätscht und gefoult. Manche wähnen sich im Angriff - und fabrizieren plötzlich Eigentore. So wie am Donnerstag im Landtag die CDU. Sie bringt in der Aktuellen Stunde das Thema Mindestlohn zur Sprache und will mit gezielten Flankenbällen Ministerpräsident Kurt Beck in Bedrängnis bringen.

Ist der doch nach Ansicht der Union kurz zuvor in einem Interview von der stets verlangten Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns abgewichen.

Der Regierungschef, vielleicht ermutigt von den zahlreichen Beobachtungen der erfolgreichen "Roten Teufel" auf dem Kaiserslauterer Betzenberg, lässt sich jedoch nicht in die Defensive drängen. Mit seinem untrüglichen Torinstinkt hat er bemerkt, dass man ihm den Ball freundlicherweise auf den Elfmeterpunkt gelegt hat, so dass er nur noch verwandeln muss.

"Herr Kollege Billen, ich begrüße Sie", sagt Beck grinsend. Dann zitiert er den in den eigenen Reihen umstrittenen CDU-Abgeordneten aus der Eifel, der am 12. Juni 2007 gesagt habe, es brauche in Deutschland einen flächendeckenden Mindestlohn. Beck: "Wo der Mann recht hat, hat er recht!"

Der Jubel seiner Anhänger ist dem Mannschaftskapitän gewiss, und er wird noch kräftig gesteigert, als FDP-Fraktionschef Herbert Mertin ins Geschehen eingreift. Beck mache sich die Aussagen von Michael Billen zu eigen, den die SPD doch aus dem Parlament werfen wolle, stichelt der Liberale. Nun kennt das Gejohle der Sozialdemokraten keine Grenzen mehr. "Wir nicht, wir nicht! Baldauf, Baldauf!", schallt es belustigt von den Rängen. Schon ist die CDU-Spitze um Parteichef Christian Baldauf wieder an den schmerzhaften Stachel im Fleisch namens Billen erinnert, der, auf der Ersatzbank schmorend, trotz gegenteiliger Forderungen von Baldauf und Co. wieder zum Angriff auf den Landtag bläst. Womit aus dem geplanten Angriff auf Ministerpräsident Beck ein Eigentor geworden ist.