Becks Zepter

Was wird sich ändern, wenn Kurt Beck und seine SPD allein im Land regieren? Wohl weniger als sich manche Genossen mit eher linken Ambitionen erhoffen. Allen eigenen Gedankenspielen etwa um neue bildungspolitische Ansätze zum Trotz.

Auch die unspektakuläre Regierungserneuerung hat bei Beck System und Signalwirkung: Kontinuität vermitteln statt Wallung provozieren. Unwirsch reagiert der Ministerpräsident auf Anspielungen, die absolute Mehrheit könnte ihm gar nicht so recht sein, fehlte dann doch die FDP als bürgerliches Feigenblatt. Den Pragmatiker Beck dürfte nun erst recht der Ehrgeiz packen, in einem bodenständigen Land wie Rheinland-Pfalz mit dem Zepter des Landesvaters zu regieren und die Mitte noch breiter zu besetzen. Auf entsprechend mühsame Oppositionsarbeit müssen sich CDU und FDP einstellen. Zur echten Herausforderung könnte für den "Alleinherrscher" vielmehr der Spagat zwischen Bundesparteichef und Ministerpräsident werden. In der Berliner großen Koalition am linken Profil zu arbeiten und gleichzeitig im Land die große Umarmungsstrategie zu fahren, wird für schwierige politische Gratwanderungen sorgen - erst recht, wenn Beck zum Kanzlerkandidaten ausgerufen werden sollte. Das Modell Mainz wird dabei kaum für den Bund taugen. j.winkler@volksfreund.de