Bedrückende Situation

TRIER. Die deutsche Bischofskonferenz will im kommenden Jahr im "Heiligen Land" tagen – das gab Bischof Reinhard Marx gestern in Trier bekannt. An den vorangegangenen Tagen war er als einziger Vertreter aus Deutschland mit einer Gruppe von Bischöfen aus aller Welt durch Palästina und Jordanien gereist.

"Was ist im Orient schon sicher?", sagt Marx mit einem Lächeln auf die Frage, ob die von ihm angekündigte Tagung der deutschen Bischofskonferenz in der Osterwoche 2007 im "Heiligen Land" definitiv sei. "Aber die Betten sind sozusagen gebucht." Marx hofft, dass die Präsenz der Bischöfe "Aufmerksamkeit erregt", die hilft, die Lage in der Region zu verbessern."Für Deutsche ist das unvorstellbar"

Um sich ein Bild von der Situation der Christen in Palästina zu machen, ist Marx vom 14. bis 19. Januar mit einer internationalen Gruppe katholischer Bischöfe dort gewesen. "Wir müssen Solidarität mit den Christen im heiligen Land zeigen", sagt er. Die Präsenz dort sei eine Aufgabe der gesamten Christenheit. "Die Jerusalemer Urgemeinde ist die Mutter aller Christen." Marx berichtet von einer "bedrückenden Situation", in der sich die Christen in Palästina befänden. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit schränke die Menschen enorm ein, viele Jüngere entschlössen sich, in andere Länder zu gehen. Marx kritisiert den Verlauf der Grenzmauer zu Israel. "Für Deutsche ist das unvorstellbar", sagt er. "Bethlehem ist eine ummauerte Stadt." Israel könne gerne eine Mauer bauen, "aber bitteschön auf der Grenze und nicht mitten durch palästinensisches Gebiet hindurch". Eine Lösung für die Probleme in der Region sehe er in den angesetzten Wahlen, sagt Marx. Vor allem bedürfe es aber starker Persönlichkeiten: "Wir brauchen Personen, die sich durchsetzen können und die einander vertrauen." Nur Verhandlungen "auf Augenhöhe" könnten helfen, die Situation zu verbessern. "Die Angst Israels ist vielleicht berechtigt, aber keine Lösung für die Zukunft." Während ihrer Reise besuchten die Bischöfe Gemeinden in Aboud, Nablus, Ramallah, Taybeh, Bethlehem und Jerusalem. In Bethlehem trafen sie Schulkinder, die den Ort nach stundenlangem Warten an Sicherheitsposten zum ersten Mal sahen. Die Bischöfe besuchten den Berg, von dem aus Moses laut Bibel vor seinem Tod das "gelobte Land" gesehen hat, am Jordan trafen sie an der Stelle, an der Jesus getauft worden sein soll, auf tausende orthodoxer Pilger. Zum ersten Mal reiste die Delegation nach Jordanien. Dort trafen die Bischöfe König Abdullah II. von Jordanien. "Die Gespräche mit ihm werden weitergeführt", kündigt Marx an. Abdullah sei ein "wichtiger Partner". Ein weiteres Ergebnis der Reise ist laut Marx die Absicht, christliche Projekte vor Ort, beispielsweise Schulprojekte, weiter zu unterstützen. Wichtig sei es auch, Pilgerfahrten zu den Ursprungs-Stätten der Christenheit wieder in Gang zu bringen. "Es ist überlebensnotwendig, dass viele Christen ins "Heilige Land" fahren und dort Christen begegnen." Auch einen Besuch des Papstes hält Marx grundsätzlich für möglich. Er müsse aber gut vorbereitet sein. "Ich wünsche mir sehr, dass der Papst ins Heilige Land fährt", sagt der Bischof. "Ein Papstbesuch kann die Sache dort nicht verschlimmern, sondern nur verbessern."