Bei 50 Hornissenstichen wird es gefährlich

Bei 50 Hornissenstichen wird es gefährlich

Auch wenn die Zahl der Hornissen zugenommen hat: Experten sprechen nicht von einer Plage. Das Gift der Tiere ist zudem maximal so gefährlich wie das der Wespen. Deren Stiche werden für einen erwachsenen Menschen erst ab einer Zahl von mehr als 50 kritisch.

Monzelfeld. Kommt nach der Plage mit den Wespen an der Mosel und in der Eifel (der TV berichtete) nun eine Hornissenplage? Immerhin war der Angriff auf die Kinder in Monzelfeld gestern der zweite spektakuläre Zwischenfall mit den wehrhaften Insekten.
Am vergangenen Wochenende waren mehrere Teilnehmer des Maare-Mosel-Laufs bei Daun von einem Hornissenschwarm angegriffen worden. Drei Sportler wurden daraufhin ins Krankenhaus gebracht.
Doch von einer sehr starken Vermehrung der Hornissen oder gar einer Plage will Hermann-Josef Valerius, Vorsitzender des Kreisimkerverbands Bernkastel-Wittlich, nicht reden. Er räumt jedoch ein: "Hornissen sind in den vergangenen Jahren auf dem Vormarsch, eventuell auch, weil sie unter Naturschutz stehen. Mittlerweile sieht man sie überall, vorher waren sie recht selten."
Riesige Nester


Laut Valerius reagieren Hornissen in der Regel nur in unmittelbarer Nestnähe aggressiv oder wenn sie gestört werden. Er erklärt: "Dann wollen sie ihr Nest verteidigen." Die Wabennester aus papierartigem Material der 25 Millimeter großen Insekten können recht groß sein. Valerius hat eins gesehen, das 50 Zentimeter hoch und 30 Zentimeter breit war. Die Tiere bauen die Nester in Baumhöhlen, Nistkästen, Dachfirsten und auf Hochsitzen.
Wer von Hornissen angegriffen wird, sollte Ruhe bewahren. Valerius sagt: "So schnell, wie die Tiere fliegen, laufen Sie nicht. Man sollte wie bei einem Angriff von Bienen auch den Kopf nach unten drehen und sich möglichst ruhig verhalten." Hektische Bewegungen machten die Tiere nur noch aggressiver.
Frost tötet die Tiere


Hornissen sind ansonsten weit harmloser als ihr Ruf. Im Volksmund heißt es: "Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein Kind." Doch an diesem Spruch ist nichts dran. Dr. Stefan Weis, Allergologe am Trierer Mutterhaus, sagt: "Das Gift der Hornissen ist in etwa vergleichbar mit dem der Wespen. Erst bei etwa 50 Wespenstichen wird es für einen erwachsenen Menschen bedrohlich." Ausnahme: Allergiker (siehe Experten-Tipp unten). Nach neueren wissenschaftlichen Untersuchungen ist das Gift der Hornissen vermutlich sogar weniger stark als das der Wespen.
Hin und wieder wurde Hermann-Josef Valerius bereits gefragt, ob er Hornissennester versetzen könne. Er meint: "Wenn sich das Nest irgendwo befindet, wo man nicht ständig vorbeilaufen muss, sollte man es hängen lassen." Die Lebensdauer sei nicht sehr lange. Erst zur Obstreife Ende August/Anfang September seien die Völker voll entwickelt. Schon beim ersten Frost würden die Tiere sterben.Wird ein Kind zum ersten Mal von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen, weiß man nicht, ob es allergisch darauf reagiert, denn Schmerzen und lokale Schwellungen gibt es immer. Oberärztin Andrea Jehn vom Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich rät: "Wenn Säuglinge und Kleinkinder gestochen werden, sollte man mit ihnen unverzüglich zum Kinderarzt gehen. Auch größere Kinder sollten zum Arzt gebracht werden, wenn sie mehrmals gestochen wurden, und vor allem, wenn stiche im Kopf- und Halsbereich erfolten." Hornissenstiche würden oft stärker anschwellen und schmerzen. Generell sollte man nach Insektenstichen genau beobachten, ob sich erste Anzeichen für eine allergische Reaktion wie Atemschwierigkeiten, Kreislaufstörungen oder Erbrechen zeigen. Dr. Klaus Mahler, Chefarzt des Verbundkrankenhauses, sagt: "Ist das der Fall, dann sollte man unverzüglich zum Arzt gehen." Insektenstiche werden mit schmerzstillenden Medikamenten behandelt. Bei klarer allergischer Reaktion wird zudem mit Adrenalin gegeben. Wenn bekannt ist, dass eine Allergie vorliegt, gibt es kleine Notfall-Sets, die jeder Allergiker bei sich haben sollte. Sie enthalten eine Adrenalin-Spritze, die man sich oder den Kindern schnell geben kann. Bei nur einem Stich und ohne allergische Reaktion sind laut Mahler Kühlen und Schmerzlinderung die Mittel der Wahl. Ist die Tetanusimpfung schon sehr lange her, empfiehlt es sich, nach einem Bienen-, Wespen- oder Hornissenstich einen Arzt aufzusuchen und diese auffrischen zu lassen. Prinzipiell können Ärzte vorab per Test ermitteln, ob ein Erwachsener oder ein Kind allergische Reaktionen auf Stiche zeigt. Es ist auch möglich, gegen Allergien zu behandeln und zwar mit einer sogenannten Hyposensibilisierung. Damit wird die überschießende Reaktion des Immunsystems auf ein Allergen reduziert. Bei der Hyposensibilisierung wird dem Körper wiederholt ein Allergieauslöser in steigender Dosierung zugeführt, bis das Abwehrsystem diesen toleriert. mai Hornissen sind nützliche Tiere und stehen unter Naturschutz. Dadurch, dass sie andere Insekten fangen, um ihre Brut zu ernähren, tragen sie zum ökologischen Gleichgewicht bei. Ein gut entwickeltes Hornissenvolk kann pro Tag bis zu einem halben Kilogramm Insekten erbeuten. Erwachsene Tiere ernähren sich von Baum- und Pflanzensäften sowie Fallobst. Die Hornissen gehören wie die Wespen zur Familie der Faltenwespen. Sie sind die größten Vertreter dieser Familie. Die Königin wird bis zu 35 Millimeter groß, Arbeiterinnen und Drohnen bis zu 25 und 28 Millimeter. Hornissen bilden einjährige Staaten. mai

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