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Bei allem Frust bleibt die Hoffnung auf ein gutes Ende

Bei allem Frust bleibt die Hoffnung auf ein gutes Ende

Techniker, Verkäufer, Autohändler oder Gastwirte: Der Rückschlag beim Verkauf um den Hahn beschäftigt viele Menschen. 2500 Arbeitsplätze hängen an dem Flughafen. Viele sind sauer, aber halten sich mit ihren Gefühlen zurück. Der TV besuchte den Hahn.

Lautzenhausen. Die Jungs und Mädchen starren mit großen Augen auf das Flugzeug, das sich gerade in die Lüfte hebt und Richtung Barcelona fliegt. Sie winken dem Flieger fröhlich zu und jubeln fröhlich.
Auf dem Hahn ist es eine liebgewonnene Tradition, dass Kindergartengruppen den Flughafen besuchen und in unmittelbarer Nähe zur Landebahn verfolgen, wie die riesigen Maschinen starten. Ein Mädchen stört sich aber an den Abgasen der Maschinen. Sie hält sich die Nase zu und ruft: "Puh, das stinkt hier."
2500 Jobs hängen am Standort



"Es stinkt uns", das ist hingegen der Satz, den in diesen Tagen viele Menschen aussprechen, die wegen des Hahn ihren Job haben. 2500 Arbeitsplätze hängen an dem Standort, darunter auch viele aus der Region Trier. Ob es die Techniker sind, die Maschinen warten. Verkäufer. Oder die etlichen Autovermieter und Hoteliers, die sich rund um den Hahn angesiedelt haben. Sie bewegt die Posse um den chinesischen Käufer, der nun offensichtlich nicht mehr der Käufer des Flughafens wird.
Über ihre Gefühle reden, das wollen nur wenige. Aus Flughafen-Kreisen wird aber deutlich, wie aufgewühlt die Beschäftigten sind. Alle seien geschockt, wie die Geschichte mit dem erhofften Käufer gelaufen sei, heißt es. Die SPD sei von vielen in die Regierung Landtag gewählt worden, weil es beim Hahn so gut voranging mit einem neuen Eigner. Nun fühlten sie sich als "Klotz am Bein". Und viele wirken einfach nur noch genervt.
Wütende Mails


Eine Verkäuferin im Souvenirladen hastet eilig zu einem Kunden, als sie nach dem Hahn gefragt wird. Unternehmer schreiben wütende E-Mails an den TV, wollen aber nicht zitiert werden. Der Tenor: Das Thema sei ohnehin schlimm genug für alle Firmen, die an dem Standort investierten. Man könnte vermuten, man wolle es sich mit zu deutlichen Worten nicht mit einem neuen Investor verscherzen.
In Lautzenhausen, an dessen Grenze der Hahn steht, laufe der Alltag ganz normal, sagt Ortsbürgermeisterin Corina Velten. "Schön ist es nicht, was wir jeden Tag in der Zeitung lesen. Die Menschen kehren ihr Innerstes aber nicht nach außen. Alle hoffen noch auf ein gutes Ende." Besonders ihr Dorf zeigt, wie stark die Region auf den Flughafen zugeschnitten ist. Es gibt Hotels für die Gäste. Eine Stewardess läuft alleine über den Bürgersteig und zieht einen Koffer hinter sich her. 370 Menschen leben in dem Ort, 315 Mitarbeiter beschäftigt alleine der Flughafen.
Ein Scheitern des Flughafen-Verkaufs will sich Harald Rosenbaum, Verbandsbürgermeister von Kirchberg, daher gar nicht ausmalen.
"Das Szenario muss mit aller Macht verhindert werden." Das sehen auch die Passagiere so. Sie schreiben schon besorgt E-Mails an den Hahn und fragen: Ist mein Flug schon storniert? Kann ich die Reise überhaupt noch buchen? "Wir haben viel Aufklärung zu leisten", stöhnt Pressesprecherin Hanna Koch.
Wenn der Landtag heute in einer Sondersitzung über den Hahn diskutiert, dürfte es viele Beobachter geben. Harald Rosenbaum düst sogar extra nach Mainz, um die Debatte live zu verfolgen. Er warnt: "Wenn das Projekt kaputt geht, dauert es Jahre, bis wir uns im Hunsrück davon erholen."Extra

 Airport Hahn, das Tor zur Welt? Doch die Zukunft des Flughafens ist nach den jüngsten Kapriolen ungewiss.
Airport Hahn, das Tor zur Welt? Doch die Zukunft des Flughafens ist nach den jüngsten Kapriolen ungewiss. Foto: klaus kimmling (g_pol3 )

Fast illusorische Ziele offenbart der Geschäftsplan des angedachten Hahn-Käufers aus China. Das Papier liegt dem TV vor. In diesem gab die SYT an, sie wolle die Frachtflugzeug-Kapazitäten vom Hahn auf 1,2 Millionen Tonnen im Jahr steigern. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kam der Flughafen auf 80 000 Tonnen, in seinem besten Jahr 2011 auf 280 000 Tonnen. Laut Geschäftsplan wollte der Investor die Zahl unter anderem erreichen, indem er die chinesische Yangtze River Express zurück zum Hahn bringt. Der einstmals größte Frachtkunde des Hahn war dem Flughafen im März 2015 abgesprungen. Weitere angebliche Projekte der chinesischen Bieter waren unter anderen eine zweite Landebahn, ein Luxushotel, ein Altenheim und sogar die Reaktivierung der Hunsrückbahn. flor