Bei den Jüngsten klappt’s am besten

Bei den Jüngsten klappt’s am besten

TRIER. Mit Appellen, Wettbewerben, Aktionen und Projekten versuchen Politik und Wirtschaft, die Französisch-Kenntnisse in der Region zu verbessern. Der große Durchbruch bleibt bislang aus.

"Wir machen wirklich viel Reklame für Französisch". Bernhard Bremm weiß, wovon er redet. Das Trierer Hindenburg-Gymnasium, dessen Direktor der 47-Jährige ist, gilt als Pionier, was den Unterricht in der Sprache des Nachbarlandes angeht. Schon in den 1960er-Jahren, als noch Englisch und Latein dominierten, konnte man dort Französisch als erste Fremdsprache wählen.Abschluss in beiden Ländern anerkannt

Heute bietet das HGT sogar einen in Deutschland und Frankreich gleichermaßen anerkannten Abschluss ("AbiBac") an.

Aber selbst in diesem Französisch-Biotop muss die Schule kämpfen. Die Hälfte aller Neu-Gymnasiasten zieht Englisch vor, und Bremm arbeitet engagiert dafür, dass die Quote nicht noch steigt. "Die Nachfrage nach Englisch wird tendenziell größer", sagt der Direktor.

Dabei sammeln sich bei ihm noch die Französisch-Enthusiasten. An anderen Schulen, wie dem Bitburger Willibrord-Gymnasium, kommt auf vier Englisch-Anfängerklassen eine in Französisch.

Extra-Kurse für Realschüler

Und das, obwohl Schulleiter Josef Metrich Eltern und Schülern "eigentlich immer vorschlägt, Französisch zu nehmen". Seine Schule bietet sogar Extra-Kurse für zum Gymnasium wechselnde Realschüler an, und sie pflegt Partnerschaften mit französischen "Lycées".

Als zweite Fremdsprache ist Französisch durchaus akzeptiert, aber um dauerhafte Kenntnisse zu schaffen, reicht das oft nicht aus. Dabei sei im Zusammenhang mit der Sprachkompetenz "die räumliche Nachbarschaft enorm wichtig", versichert Prof. Gundi Gompf vom Verein "Kinder lernen europäische Sprachen". Sie verweist darauf, dass das Land Baden-Württemberg entlang der Rheinschiene den Französisch-Unterricht sogar flächendeckend vorgeschrieben hat.

Davon ist Rheinland-Pfalz weit entfernt. Bei den Gymnasien stimmt das Angebot, in den Realschulen wird es schon zur Mangelware. In der Stadt Trier etwa bietet nur eine öffentliche Realschule Französisch als erste Fremdsprache. Ein Umstand, der laut HGT-Leiter Bremm viele Eltern von Neu-Gymnasiasten bewegt, sich für Englisch zu entscheiden, damit ihre Sprösslinge im Fall eines nötigen "Umsteigens" nicht vor die Wand laufen.

In Haupt- und Berufsschulen ist das Angebot oft noch magerer. Ein Hoffnungsschimmer glimmt dagegen in den Kindertagesstätten. "Da hat sich wirklich viel getan", bestätigt Helga Schneider-Gräfer von der Trierer Außenstelle des Landesamtes für Soziales und Jugend. Seit Ende der 90er-Jahre das Landesprogramm "Lerne die Sprache des Nachbarn" aufgelegt wurde, bieten viele Kitas eine spielerische Französisch-Einführung mit einer speziellen Lehrkraft.

60 Prozent der Kosten trägt das Land. Wo, wie in Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg, die Kreise grundsätzlich beschlossen haben, die Rest-Finanzierung zu übernehmen, boomt das Angebot. Auch wenn die Auflage, dass die Lehrkraft muttersprachliche Französischkenntnisse nachweisen muss, die Besetzung manchmal schwer macht Das Land hat seine Förderung aber auch daran gebunden, dass Kontinuität in der örtlichen Grundschule garantiert sein muss - das schafft heilsamen Druck.

Die Situation an den Kitas dokumentiert, dass die Entschiedenheit, mit der die öffentliche Hand den Französisch-Unterricht fördert, neben dem "Bewusstseinsstand" von Eltern und Schülern eine entscheidende Rolle spielt. Denn in der Stadt Trier, wo man aus Kostengründen auf eine Förderung solcher Projekte verzichtet hat, spielt Französisch in den Kindertagesstätten weiter eine Mauerblümchen-Rolle.