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Bei Erster Hilfe heben alle die Hand

Bei Erster Hilfe heben alle die Hand

101 Abgeordnete im Landtag stimmen für CDU-Antrag zu Kursen in Schulen.

Mainz Christoph Gensch ist ein echtes Multi-Talent im Mainzer Landtag. Beim einstigen saarländischen Verbandsligisten SG Holz-Kutzhof spielte der Fußballer manchen gekonnten Ball unter Peter Rubeck, dem heutigen Trainer des FSV Salmrohr. Als Arzt behandelte er im Abgeordnetenhaus schon Wunden von Landtagskollegen. Und mit einem Konzept der CDU-Fraktion, das er am Donnerstag vorstellte, ist ihm für Parlamentsverhältnisse etwas Außergewöhnliches gelungen. Alle 101 Abgeordneten stimmten dem Antrag zu, obwohl die CDU in der Opposition sitzt. Der Plan, den auch Ampelfraktionen und AfD abnickten: Schüler ab Klasse sieben sollen pro Jahr zwei Stunden die Wiederbelebung nach Herzversagen lernen - und mit der Hilfe ausgebildeter Lehrer wiederholen.
Gensch sieht darin eine Chance, das richtige Vorgehen bei der Wiederbelebung nicht zu vergessen, wie bei Erste-Hilfe-Kursen für den Führerschein, die es einmal gebe und dann vielleicht nie wieder. Länder in Skandinavien machten vor, wie es geht. Dort helfen Passanten in bis zu 70 Prozent der Fälle von Herzstillstand, in Deutschland liegt die Ersthelfer-Rate nur bei 20 Prozent, sagt er. Es brauche mehr Menschen, die Erste Hilfe lernen - wie an Schulen. Ähnlich sehen es die anderen Parteien. Giorgina Kazungu-Haß (SPD) sagt, sie könne sich den Unterricht in Fächern wie Sport und Biologie vorstellen. Sylvia Groß (AfD) spricht sich dafür aus, die Kurse auf die höchsten Jahrgangsstufen und berufsbildende Schulen auszuweiten. Steven Wink (FDP) schlägt vor, auch Erwachsene mehr dafür zu sensibilisieren, die erste Hilfe aufzufrischen. Auch ein Ausbau von Apps, die nahe am Einsatzort stehende Ersthelfer im Notfall direkt alarmieren, sei nötig. Katharina Binz (Grüne) sagt, sie befürworte es, dass das Land nun ein geeignetes Konzept erstelle.
Nun liegt der Ball bei der Regierung. Und die greift ihn auf. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagt, das Land habe bereits gute Voraussetzungen geschaffen. 70 Prozent der gut 40 000 Lehrer seien bereits in erster Hilfe geschult, in 200 sogenannten Schulsanitätsdiensten stellen ausgebildete Schüler die Erstversorgung in ihren Schulen sicher, bis der Rettungsdienst eintrifft. Und der neue Antrag, der sich auf eine Empfehlung des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz von 2014 beruft, ist ein neuer Anstoß. Hubig sagt, das Ministerium spreche mit Organisationen - und wolle den Antrag in ein Konzept bündeln.