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Beim Super-Duell freut sich der Dritte

Beim Super-Duell freut sich der Dritte

Die Spannung steigt: Im US-Vorwahlkampf der Demokraten streiten Hillary Clinton und Barack Obama um die Delegierten-Stimmen in den Bundesstaaten Indiana und North Carolina. Die Republikaner um John McCain freut's.

Washington/Raleigh. Ein Sprichwort sagt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und das ist in diesem Fall John McCain, der Kandidat der Republikaner für die Bush-Nachfolge. "Die Demokraten fügen sich jede Menge schmerzhafte Wunden zu, die im Herbst im Wahlfinale wieder aufgedeckt werden dürften", glaubt Phil Musser, ein Stratege der Republikaner - und blickt mit Vergnügen auf die Schlammschlacht zwischen Hillary Clinton und Barack Obama, die heute mit den Vorwahlen in den Bundesstaaten Indiana und North Carolina einem weiteren Höhepunkt zusteuert. Ginge es nach den Wünschen der Kampagnen-Manager von John McCain, würde das Demokraten-Duell möglichst noch bis zum Sommer andauern. "Der Lack ist jetzt schon bei Obama ab," heißt es immer wieder in der Bush-Partei. Wobei engagierte Republikaner wie der prominente konservative Radiomoderator Rush Limbaugh längst die eigenen Parteimitglieder zu einer besonderen Strategie aufgerufen haben: So sollten beispielsweise in Indiana, wo heute an der Vorwahl Mitglieder beider Parteien teilnehmen dürfen, Republikaner ausgerechnet für die in der Delegiertenzahl zurückliegende "Erzfeindin" Hillary Clinton stimmen - um so die Kandidaten-Entscheidung bei den Demokraten möglichst lange hinauszuzögern. Doch vermutlich bedarf es noch nicht einmal dieser kuriosen Schützenhilfe, hat doch Hillary Clinton immer wieder beteuert, "bis zum Ende" kämpfen zu wollen - also mindestens bis zum Vorwahlschluss am 3. Juni, vermutlich aber sogar bis zum Nominierungsparteitag Ende August in Denver. Kandidatin Clinton klammert sich an Umfragen

Obwohl die Delegiertenzahlen weiter klar gegen sie sprechen, klammert sie sich an Umfragen, die einen deutlichen Rückgang der "Obamania" im Land dokumentieren. Wie die Erhebung, der zufolge mittlerweile mehr als 50 Prozent der weißen Wähler ohne Hochschulabschluss vom Farbigen Obama eine negative Meinung haben - eine deutliche Verschlechterung seit Jahresbeginn. Clinton hofft damit ihr Argument zu untermauern, sie sei "wählbarer" als ihr Kontrahent und könne im Zweikampf mit John McCain wichtige Bundesstaaten wie Ohio, Florida, New York oder Pennsylvania gewinnen, die am Ende den Ausschlag für den Einzug ins Weiße Haus geben dürften. Die Stimmung in Indiana und North Carolina spricht jedenfalls für ein gutes Abschneiden der früheren First Lady - und damit für eine Fortsetzung des nicht enden wollenden Duells. Im Bundesstaat Indiana, wo die Mehrheit der Wähler aus weißen Arbeitern und Farmern besteht, liegen beide Kopf an Kopf. In North Carolina, wo gut 35 Prozent der Abstimmungsberechtigten Farbige sind, hat Obama Umfragen zufolge die Führung - aber mit zuletzt deutlich schrumpfendem Vorsprung. Gleichzeitig setzt sich die mit harten Bandagen gefochtene Auseinandersetzung der beiden fort. Obama hält nichts von "Cowboy-Mentalität"

So verglich Barack Obama jetzt Hillary Clinton mit George W. Bush, nachdem diese angekündigt hatte, sie würde als Präsidentin den Iran auslöschen, falls dieser Israel mit Nuklearwaffen angreife. Clinton bekräftigte gestern im Fernsehsender CNN nochmals ihre Aussage. Sie hatte Obama zu folgender kritischen Anmerkung veranlasst: "Wir brauchen jetzt kein Poltern und Säbelrasseln." Clintons Auftritt zeige eine "Cowboy-Mentalität," so Obama. Clinton wiederum versuchte am Wochenende mit dem Vorschlag zu punkten, über den Sommer die Benzinsteuer einzufrieren, um so die Autofahrer zu entlasten. Ein Vorschlag, den Obama ablehnt. Die Fronten sind nach 16 Monaten Vorwahl-Kampf mittlerweile so verhärtet, dass 30 Prozent der Clinton-Unterstützer sagen: Wir werden Obama im Herbst nicht wählen, wenn er nominiert wird. 22 Prozent der Obama-Fans hegen ähnlich negative Gefühle gegenüber Hillary Clinton. Was am Ende wiederum einen freuen wird: John McCain.