Beispiel Siegburg: Erst schließt der Laden, dann das Gästehaus und zuletzt die Abtei

Beispiel Siegburg: Erst schließt der Laden, dann das Gästehaus und zuletzt die Abtei

Die Zukunft des finanziell und personell angeschlagenen Zisterzienserklosters Himmerod ist weiter offen. Derweil hat 90 Kilometer Luftlinie entfernt eine traditionsreiche Benediktinerabtei ihre Tore für immer geschlossen. Die Parallelen zum Eifel-Kloster Himmerod sind frappierend.

Himmerod. "Es fehlt in jeder Hinsicht an Substanz, aus der ein neuer Anfang erwachsen könnte." Mit diesen knappen Worten läutete der Siegburger Benediktinerpater Christian im November vergangenen Jahres den Anfang vom Ende ein. Nach knapp 950-jähriger Klostertradition auf dem zwischen Köln und Bonn gelegenen Siegburger Michaelsberg hatten die verbliebenen elf Mönche zuvor selbst den Schlussstrich gezogen und in geheimer Abstimmung die Schließung der Abtei besiegelt. "Schweren Herzens", wie es hieß.
Alle Wiederbelebungsversuche waren zuvor gescheitert. Im Mai 2010 gab es in dem Benediktinerkloster eine sogenannte kanonische Visitation. Bei diesen regelmäßigen Besuchen durch die Ordensleitung werden unter anderem die Vermögensverhältnisse eines Klosters überprüft. Die waren im Fall Michaelsberg offenbar so ernüchternd, dass der Klostervorsteher noch während der Visitation seinen Rücktritt einreichte. "Abt Raphael sieht, dass die Abtei vor wichtigen wirtschaftlichen Aufgaben und Entscheidungen steht. Er glaubt nicht, dafür die notwendige innere und äußere Kraft zu haben", hieß es zur Begründung.
Was der Abt damit meinte, wurde kurz darauf klar: Erst wurden die klostereigene Buch- und Kunsthandlung sowie das Hotel-Restaurant "Abtei-Stuben" dichtgemacht, dann das Jugendgästehaus. Da waren die Mönche noch hoffnungsfroh, das traditionsreiche Kloster retten zu können. Doch die Hoffnung trog.
"Man darf ja noch träumen"


Denn die Siegburger Benediktiner wurden nicht nur von finanziellen, sondern auch von personellen Sorgen geplagt - eine weitere Parallele zum Zisterzienser-Problemkloster Himmerod in der Eifel. Hier wie dort waren es zuletzt noch elf Mönche, die den großen Abteikomplex "bevölkerten". Dabei litten die Siegburger Pater vor allem darunter, dass der "Mittelbau", also die 40- bis 60-Jährigen fehlten. Entweder zu jung oder zu alt: "Wir haben hier keinen mehr, der die Leitung übernehmen könnte", meinte der 35-jährige Hausobere Pater Christian.
Auch alle Versuche, Mitbrüder aus anderen Benediktinerklöstern zum Umzug auf den Michaelsberg zu bewegen, schlugen fehl. Kaum verwunderlich: Auch die meisten anderen Klöster haben Nachwuchssorgen.
So blieb den Mönchen letztlich nichts anderes übrig, als das Aus der Abtei zu besiegeln. Am 20. Juni endete nach 946 Jahren das monastische Leben in Siegburg; der Verein der Benediktiner vom Michaelsberg ist seit einem Monat in Liquidation.
Die zuletzt verbliebenen elf Mönche konnten selbst entscheiden, wo sie in Zukunft leben möchten. Die meisten werden sich wohl für ein anderes Benediktinerkloster entschieden haben.
Was mit der Abtei geschieht, ist noch offen. Allerdings hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner den Fall Michaelsberg schon zur Chefsache gemacht, würde am liebsten wieder eine Ordensgemeinschaft dort ansiedeln. "Sehnsucht und Träume darf man ja immer haben", meinte bei Bekanntgabe der Schließung der Benediktinermönch eines Nachbarklosters.
Pater Christian, der letzte Hausobere auf dem Michaelsberg, war da schon ein wenig abgeklärter. Seine Prognose wird man auch in Himmerod nicht gerne hören: "Siegburg wird sicher nicht das letzte Haus sein, das geschlossen wird."Orden - mal auf, mal ab: In Deutschland gibt es nach Angaben der Ordensoberenkonferenz unter den Männerorden und -kongregationen 113 selbstständige Provinzen, Abteien und Priorate von 57 verschiedenen Ordensgemeinschaften. In den 450 Niederlassungen leben 4900 Ordensmänner. Bei den Frauenorden ist die Zahl der Gemeinschaften, Niederlassungen und Mitglieder deutlich größer: 21 000 Ordensfrauen leben in 1739 klösterlichen Niederlassungen. Schließungen, aber auch Neugründungen sind nichts Ungewöhnliches: In der Region Trier verkauften die Steyler Missionare erst vor vier Jahren ihr Missionshaus St. Paul bei Wittlich-Wengerohr - nach 85 Jahren. Ein Grund: Nachwuchssorgen. Zuletzt lebten noch zwei Patres und drei Brüder in dem Missionshaus. Auf dem an die Hofgut Stift Kloster Machern AG verkauften Gelände sind unter anderem Wohnungen, eine Kindertagesstätte und ein Hotel geplant. sey

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