Belgische Atomkraftwerke erneut in der Kritik

Belgische Atomkraftwerke erneut in der Kritik

In der vergangenen Woche haben in Brüssel internationale Atomexperten getagt und sich besorgt über den Zustand der beiden belgischen Atomkraftanlagen Doel bei Antwerpen und Tihange bei Huy geäußert.

Die belgische Atomaufsicht hat nach Hinweisen aus Frankreich Anzeichen von Rissen an einem Reaktorbehälter des Atomkraftwerks Doel bei Antwerpen entdeckt. Die Anlage ist baugleich mit der nur 90 Kilometer von Prüm entfernten Anlage Tihange. Dort wurde auf Anordnung der Behörde der zweite Block stillgelegt. Es soll aber laut Experten keine Gefahr für Bevölkerung und Umwelt bestehen.
Vor einigen Tagen hatte bereits der Umweltminister von NRW, Johannes Remmel (Grüne), laut Spiegel Online Aufklärung über die Sicherheitslage im AKW Tihange eingefordert. Dem Bericht nach entweiche bereits seit längerem radioaktives Wasser aus der Anlage, das aufgefangen werden müsse.
Der Grund für die undichte Anlage sind wohl Haarrisse in der Hülle des Meilers. Rund 8000 Risse sind nach Angaben von Stephanie Nabinger, der atompolitischen Sprecherin der Grünen- Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz, am dritten Reaktorblock beim Kraftwerk Doel festgestellt worden. Wie Doel gehört auch die 37 Jahre alte Anlage Tihange mit den Blöcken zwei und drei zur gleichen Baureihe. In Deutschland stammen die beiden abgeschalteten Atomkraftwerke Brunsbüttel und Philippsburg 1 aus dieser Serie.
Hinweise auf die Risse hatten sich laut belgischer Atomaufsicht bei Kontrollen am südfranzösischen Atommeiler Tricastin schon im Jahr 2004 ergeben. "Die 8000 Risse im belgischen Reaktor Doel, die offenbar nur dank neuer Technik gefunden wurden, sind so alarmierend, dass sich das sofortige Betriebsende aller möglicherweise betroffenen Anlagen aufdrängt”, sagt Nabinger.
Im grenznahen AKW Tihange wird die Anlage mit der neuen Ultraschallprüfung bis zum 10. September überprüft. Nach Auswertung der Inspektion soll Ende Oktober wieder über die Inbetriebnahme des Meilers entschieden werden.
Belgien will bis 2025 seine AKW etappenweise vom Netz nehmen, Tihange sollte nach letzten Meldungen mit allen drei Reaktoren bis 2025 laufen.

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