Beliebt und umstritten

Das Rätselraten hat ein Ende: Der seit 1987 als Chef der Deutschen Bischofskonferenz amtierende Karl Kardinal Lehmann hängt noch eine Legislaturperiode dran.

Das Rätselraten hat ein Ende: Der seit 1987 als Chef der Deutschen Bischofskonferenz amtierende Karl Kardinal Lehmann hängt noch eine Legislaturperiode dran.Eine gute Entscheidung des Mainzer Bischofs, eine gute Wahl der deutschen Bischöfe. Wie kein anderer einflussreicher Kirchenmann steht der 69-Jährige für Pragmatismus, Ausgleich, Integration und Dialog in einer immer noch weitgehend auf Rom-Treue und Gehorsam fußenden Katholischen Kirche.

Es spricht Bände, dass jene Lehmann nach seiner Wiederwahl mit als erste gratuliert haben, deren Verhältnis zur Amtskirche nicht frei von Konflikten ist: katholische Frauen, die in ihrer Kirche immer noch benachteiligt werden, und die Reformbewegung "Wir sind Kirche", deren Mitglieder sich mehr Mitsprache wünschen und weniger Bevormundung. Dass sich Karl Kardinal Lehmann auch für jene einsetzt, die den vatikanischen Positionen eher distanziert gegenüberstehen, statt sie kritiklos zu übernehmen, hat ihn bei den meisten Gläubigen so beliebt gemacht und die Fundamentalisten gegen ihn aufgebracht - ob bei der Schwangerenkonfliktberatung oder der Kommunion wiederverheirateter Geschiedener.

Unter den deutschen Kirchenmännern ist der Mainzer immer noch eine Ausnahmeerscheinung. Beruhigend, dass dies die Bischöfe mehrheitlich genauso sehen.

r.seydewitz@volksfreund.de

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