Beratungs-Sumpf

Abermals sorgt Behördenchef Florian Gerster für Schlagzeilen. Zwar sind die jetzt bekannt gewordenen Verträge mit dem Münchener Star-Berater Roland Berger nach Angaben der Bundesregierung "nicht zu beanstanden”, doch bleibt auch in diesem Fall ein Nachgeschmack: Weder der Verwaltungsrat der BA, noch die Mitglieder des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, vor dem sich Gerster mehrfach wegen der unrechtmäßigen Vergabe eines Beratungsvertrages an die Firma WMP rechtfertigen musste, waren über die Berger-Kontrakte informiert.

Die CDU hat Recht, wenn sie von einem "Beratungs-Sumpf” spricht. Die einzelnen Ministerien und ihre nachgeordneten Behörden haben offenbar so viele Beraterverträge abgeschlossen, dass die Regierung selbst keinen Überblick mehr hat. Auch die Tatsache, dass Berger (ehrenamtlich) Mitglied der Hartz-Kommission war und Vorschläge mitentwickelt hat, von deren Umsetzung er jetzt (privat) profitiert, hat ein Geschmäckle. Grundsätzlich muss sich die Bundesregierung fragen lassen, ob sie sich mit ihrer Beratungswut nicht selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Traut sie sich nichts mehr zu ohne "externen Sachverstand”? Sind ihre Mammutbehörden nicht mehr (wie früher) in der Lage, die selbst gestellten Aufgaben sachgemäß zu lösen? Gewiss wird die Welt immer komplizierter und die praktische Umsetzung theoretischer Vorgaben immer schwieriger. Gleichwohl deutet die ständige Hinwendung der Bundesregierung zu privaten Beratern mehr auf Hilflosigkeit hin denn auf Selbstbewusstsein und eigene Stärke. Wenn externe Beratung zu besseren Ergebnissen führt, ist dagegen nichts zu sagen. Doch tut es das wirklich? Es wäre der Sache außerordentlich dienlich, wenn die Bundesregierung mit einem überzeugenden Beispiel aufwarten könnte. nachrichten.red@volksfreund.de