Berlin sagt Benedikt XVI. mit Gottesdienst aus der Ferne Adieu

Berlin sagt Benedikt XVI. mit Gottesdienst aus der Ferne Adieu

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat bei einem Gottesdienst in Berlin die achtjährige Amtszeit des Papstes gewürdigt. Viele Politiker nahmen daran teil. Eine Abstimmung im Bundestag wurde dafür verschoben.

Berlin. Wenn sie für besondere Anlässe Gottes Segen erbitten, versammeln sich die Vertreter des Staates in der 240 Jahre alten St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte - zum Beispiel vor der Wahl eines Bundespräsidenten. Gestern Abend ging es darum, sich zu verabschieden - und zwar mit einem Dankgottesdienst von Papst Benedikt XVI. Der Polit-Betrieb unter der nicht weit entfernten Reichstagskuppel fand deshalb nur arg eingeschränkt statt. Auch Berlin sagte aus der Ferne Adieu zum deutschen Papst, der 2011 im Bundestag mit einer Rede über die Grundlagen von Politik in einer freien Gesellschaft nicht bei allen, aber bei vielen Abgeordneten bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.
Burgfrieden im Reichstag


Während des Dankgottesdienstes der katholischen Kirche, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), einige Bundesminister, zahlreiche Abgeordnete und Diplomaten teilnahmen, herrschte im Reichstag Burgfrieden. Die Abwesenheit von Unionsabgeordneten werde man nicht ausnutzen, hatten SPD und Grüne vorher versprochen: "Wir werden den Religionsfrieden wahren und in diesen zwei Stunden keine koalitionsfeindlichen Aktionen starten."
Ursprünglich stand eine namentliche Abstimmung zur möglichen Privatisierung der Wasserversorgung an. Die wurde aber verschoben, da viele Unions-Politiker zur Messe gehen wollten und so die Koalition keine Mehrheit hätte aufbringen können. Allerdings planten auch einige SPD-Abgeordnete, in der Kathedrale dabei zu sein, hieß es aus der Fraktion.
Spötter meinten gestern, dass der Papst seinen letzten Arbeitstag klug gewählt habe. So sei es Union und FDP erspart geblieben, sich zu einem Koalitionsausschuss zu treffen und strittige Themen zu beraten. Denn eigentlich hatten die Partner vereinbart, stets einen Tag vor der Sitzung des Bundesrates zusammenkommen zu wollen, die heute stattfindet. Der Koalitionsausschuss wird nun voraussichtlich am 21. März tagen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte bei dem Gottesdienst die achtjährige Amtszeit des Papstes. Sie sei "geprägt von theologischer Tiefe und intellektueller Weite". Benedikt habe "auf die Gefahr eines ungezügelten Kapitalismus" ebenso hingewiesen wie auf die "Bedrohungen durch einen scheinbar grenzenlosen Machbarkeitswahn auf dem Gebiet der Bio-Technologien". Zugleich sei er "in einer oft nur vordergründig aufgeklärten und vermeintlich liberalen Gesellschaft" auf Unverständnis gestoßen, manchmal habe Benedikt "durchaus heftigen Widerspruch" hervorgerufen. Dennoch sei er als Papst "der Fels in der Brandung einer sich rasant verändernden Welt" gewesen.

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