Besser als die Kanzlerin

Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner ist am Montag in das oberste Führungsgremium der Partei gewählt worden. "Und jetzt, Frau Klöckner?", fragte der TV die 37-Jährige nach der Wahl.

Karlsruhe. (sey) Wer bei einer live im Fernsehen übertragenen Großveranstaltung wie dem Karlsruher CDU-Parteitag auffallen möchte, der sollte tunlichst nicht mit einem dunklen Anzug oder Kostüm durch die Halle marschieren. Jedenfalls dann nicht, wenn man gesehen werden möchte.

Julia Klöckner wollte am Montag gesehen werden. Die 37-Jährige trug einen knallroten Blazer und war damit unübersehbar. Und unüberhörbar war die rheinland-pfälzische Spitzenkandidatin auch. Gleich zwei Mal ergriff Julia Klöckner auf der Bühne und damit vor der versammelten Delegiertenschar das Wort. Ein Satz fiel bei beiden Kurz-Auftritten: "Beck ist weg. Klöckner kommt", sagte die selbstbewusste Staatssekretärin im Bundesverbraucherschutzministerium im Vorgriff auf das erst Ende März feststehende Ergebnis der Landtagswahl. Der Kanzlerin gefiel's. "Liebe Julia Klöckner", säuselte Angela Merkel, "die Chance auf einen Wechsel in Rheinland-Pfalz ist so gut wie lange nicht mehr."

Ob's an der Fürsprache der Bundesvorsitzenden lag oder an Klöckners beiden Kurzauftritten: Die Hoffnungsträgerin der rheinland-pfälzischen CDU wurde am Montagabend mit einem eindrucksvollen Ergebnis neu ins 15-köpfige Präsidium der Partei gewählt. Mit 94,4 Prozent Zustimmung fuhr Klöckner das mit Abstand beste Ergebnis aller sieben Beisitzer ein. Der Zweitplatzierte Wolfgang Schäuble kam gerade mal auf 85,6 Prozent. Das Votum pro Klöckner fiel sogar noch deutlich besser aus als das der Kanzlerin (90,4 Prozent). Von den 15 Präsidiumsmitgliedern bekam nur der neue Schatzmeister Helmut Linssen ein besseres Ergebnis (97,2 Prozent).

Verständlich, dass die CDU-Landesvorsitzende nach der Wahl über beide Backen strahlte und reichlich Gratulationen einheimste. Zwischendurch gab sie TV-Redakteur Rolf Seydewitz noch ein Kurz-Interview:

Wie bewerten Sie Ihr Abschneiden bei der Präsidiumswahl?

Klöckner: Das ist ein großartiger Erfolg: für mich persönlich und für die geschlossene und starke CDU Rheinland-Pfalz.

Was haben die Menschen in Rheinland-Pfalz von einem Präsidiumsplatz von Frau Klöckner?

Klöckner: Eine kraftvolle Stimme für unser Land auf Bundesebene.

Künftig sind Sie auf Bundesebene noch stärker eingebunden: Wie wollen Sie den Spagat zwischen Berlin und Mainz schaffen?

Klöckner: Wie bisher - mit vollem Einsatz.