Bessere Hilfe für Menschen mit Demenz

Bessere Hilfe für Menschen mit Demenz

Die Rahmendaten sind alarmierend: Immer häufiger werden Menschen im Alter dement, immer schwieriger wird die Betreuung im Familienverbund. Es fehlt nicht an guten Ansätzen, aber an einer umfassenden Strategie. Das soll sich nun ändern.

Trier. Wer auf der "Demenzlandkarte Rheinland-Pfalz" den Kreis Trier-Saarburg anklickt, wird sich erst einmal wundern. Mehr als 40 Institutionen sind dort angegeben, die mit dem Thema Demenz zu tun haben - private und öffentliche, große und kleine, stationäre und ambulante. Auf die gesamte Region gerechnet, dürften es über 150 Anlaufstellen sein, unter denen Betroffene und Angehörige wählen können.

An Ansprechpartnern fehlt es also nicht - eher am Überblick. Und nicht alle Einrichtungen, die es gibt, verfügen über das nötige Know-how in Sachen Demenz - schließlich ist das nicht unbedingt ihre Hauptaufgabe.

Um aus der Vielfalt der Optionen ein schlagkräftiges Ensemble zu schaffen, heißt das Zauberwort Netzwerk. Es soll auf Landesebene beginnen, in die Regionen transportiert und von dort aus möglichst nahe bei den Bürgern in den Städten und Gemeinden angesiedelt werden. Es geht darum, vorhandene Kompetenz an möglichst viele Akteure weiterzureichen, gemeinsam zu agieren und maßgeschneiderte Lösungen für die jeweilige Situation vor Ort zu finden.

In der Eifel hat man dafür sogar die klassischen Regionsgrenzen überschritten. Die Kreise Vulkaneifel, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Ahrweiler werden gemeinsam vom Caritas-Fachzentrum Eifel-Mosel-Ahr betreut. Im Laufe der letzten Monate wurden Arbeitsgruppen auf Kreis-Ebene gegründet, eine Internet-Homepage eingerichtet, Fortbildungen und öffentliche Veranstaltungen angeboten. Es gibt auch Fahrdienste und Tages-Betreuungsgruppen. An der Finanzierung des zunächst auf drei Jahre angelegten Projektes sind der Träger, das Land, die Pflegekassen und die Kreise beteiligt.

Auch in Trier und Umgebung hat ein "Netzwerk Demenz Trier/Saarburg" seine Arbeit aufgenommen. Es koordiniert die Beratungsarbeit des Trierer Demenzzentrums, der Alzheimer-Gesellschaft sowie zehn Pflegestützpunkte in Stadt und Landkreis. Zum Netzwerk gehören aber auch Sozialdienste, Seniorenheime, Tagespflege-Einrichtungen, Ärzte, Krankenhäuser, Verwaltungen und das Haus der Gesundheit in Trier.
Im Rahmen dieses Netzwerks scheint bis auf weiteres auch die Existenz des Demenzzentrums gesichert, dessen Weiterbestehen nach dem Auslaufen der Projektphase auf der Kippe stand. Man arbeitet nun eng mit der benachbarten ökumenischen Sozialstation in der Trierer Engelstraße zusammen und bringt die eigene spezifische Fachkompetenz in das Netzwerk ein.

Das Demenzzentrum ist auch eine Art Seismograph für die öffentliche Wahrnehmung in Sachen Demenz. Im letzten Frühjahr beispielsweise verzeichnete man quasi über Nacht eine Verdopplung der Beratungszahlen. "Den Assauer-Effekt" nennt das Mitarbeiterin Uschi Wihr. Der Fall des ehemaligen Schalke-Managers - eine der wenigen Personen des öffentlichen Lebens, die sich zur Krankheit Demenz bekannten - machte vielen Menschen erstmals Mut, sich mit dem Thema zu befassen.

Professor Bernd Krönig, der dem Haus der Gesundheit vorsteht, findet das gut. Ihm liegt die Aufklärung besonders am Herzen. Er will die Krankheit aus der Anonymität holen, vor allem, damit sich die Angehörigen nicht in einem einsamen Kampf aufreiben. "Ohne bürgerschaftliches Engagement", da ist der ehemalige Chefarzt sicher, "ist diese Aufgabe in Zukunft nicht zu bewältigen". Es sei wichtig, "die Angehörigen mit niederschwelligen Angeboten zu entlasten", statt zu warten, "bis sie vor Erschöpfung nicht mehr können".

Wo die Familie die Pflege nicht mehr schultern kann, kommen neben den klassischen Pflegeheimen, die sich zunehmend auf den Bedarf Demenzkranker einstellen, auch neue Formen immer stärker zur Geltung. Der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz hat kurz vor Weihnachten den Vertrag für eine weitere ambulant betreute Wohngemeinschaft in der Nähe von Hermeskeil unterzeichnet. Allein dem Markt will man solche Entwicklungen nicht überlassen. "Wir wollen", sagt Kreis-Sprecher Thomas Müller, "keine Edel-WG\'s, in welche sich lediglich betuchte Selbstzahler einkaufen können". Die Verhinderung solcher Fehlentwicklungen dürfte auch eine Aufgabe für die neuen Netzwerke sein.Extra

Eine tolle, umfangreiche Gesamtdarstellung mit Fragen und Antworten zum Thema Demenz, mit Tipps für Angehörige, mit Infos über Krankheit, Hilfen, Ansprechpartner gibt es auf der Webseite der Landes-Verbraucherberatung: verbraucherzentrale-rlp.de. Unter "Suchbegriff" einfach Stichwort Demenz angeben. Das Fachzentrum Eifel-Mosel-Ahr im Internet unter fachzentrum-demenz.de. Telefonisch: 06561/9671-0 (Bitburg); 06591/983646 (Gerolstein); 06571/149728 (WIL). Netzwerk auf Landesebene: demenz-rlp.de. Webseite mit vielen weiteren Links. Netzwerk Trier-Saarburg: netzwerk-demenz-trier-saarburg.de. Telefon: 06581/99679-90 (Saarburg). Demenzzentrum Trier: demenzentrum-trier.de. Telefon: 0651/460 4747. Adresse: Engelstraße 31, 54292 Trier (Ärztehaus am ev. Elisabeth-Krankenhaus). DiL

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