| 20:22 Uhr

"Beten wir, dass Nicole noch lebt"

Feuerwehrleute aus der Verbandsgemeinde Neuerburg beteiligen sich an der Such-Aktion.Foto: Hans Krämer
Feuerwehrleute aus der Verbandsgemeinde Neuerburg beteiligen sich an der Such-Aktion.Foto: Hans Krämer
KÖRPERICH. Mehr als 200 Polizisten und Feuerwehrleute haben am Mittwoch in der Gegend um Körperich (Kreis Bitburg-Prüm) nach der seit einer Woche vermissten Nicole Clerf gesucht - vergeblich. Die 26-Jährige ist vermutlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Von unserem Redakteur <br>ROLF SEYDEWITZ

Kurt Clerf hat es zu Hause in Kruchten einfach nicht mehr ausgehalten. Der Onkel der seit Donnerstag vergangener Woche vermissten Nicole ist deshalb an diesem Mittag zum Parkplatz des Gaytalparks gekommen, um gemeinsam mit den Bereitschaftspolizisten und Feuerwehrleuten nach seiner verschwundenen Nichte zu suchen. Clerf ist anzumerken, dass ihn die Ungewissheit über das Schicksal der jungen Frau, die eine Woche zuvor das letzte Mal lebend gesehen wurde, arg mitgenommen hat. "Nicoles Eltern", sagt er mit leiser Stimme, "halten es ohne Medikamente gar nicht mehr aus.""Wir lassen nicht locker"

Doch auch für die 60 Polizisten, die an diesem Mittag das in einzelne Sektoren eingeteilte Gelände rund um Nicole Clerfs Heimatort Körperich zum wiederholten Mal akribisch durchsuchen, ist der Fall beileibe keine Routine-Angelegenheit. "Die Ungewissheit ist dramatisch", sagt einer der Beamten, der eine Tochter im Alter von Nicole hat, "wir schwanken zwischen Hoffen und Bangen."Von der Chance, die 26-Jährige Büroangestellte doch noch lebend zu finden, spricht auch Ottmar Himmes, der an diesem Tag den Einsatz der Suchkräfte leitet. Während Himmes den aus ganz Deutschland angereisten Journalisten das System der umfangreichen Such-Aktion erklärt, haben sich die Trupps schon auf in ihre Sektoren gemacht. Mit Stöcken "bewaffnet" tasten sie jeden Quadratmeter laubbedeckten Bodens ab, um ja nichts zu übersehen.Alfred Thome, Vize-Wehrleiter der Verbandsgemeinde Neuerburg, war erst am Tag zuvor von der Einsatzleitung der Polizei über die groß angelegte Such-Aktion informiert worden. Thome hatte sich direkt das Telefon geschnappt, die Hälfte "seiner" 43 Wehrführer angerufen, und schon standen 150 ehrenamtliche Feuerwehrleute "Gewehr bei Fuß" - trotz der Suche um die Mittagszeit an einem ganz normalen Werktag. "Die Betroffenheit unter unseren Leuten", sagt der Vize-Wehrleiter, "ist außerordentlich groß." Auch aus dem benachbarten Luxemburg sind Feuerwehrleute zur Unterstützung angereist; der Viandener Polizei-Chef Nico Müller ist mit einem Kollegen ebenfalls vor Ort und bietet Hilfe an. "Der Fall Nicole beschäftigt die Leute bei uns sehr", sagt Müller, "das Mädchen hatte doch viele Kontakte nach Luxemburg."Zwischendurch kommen Mitglieder eines Suchtrupps zurück zum Gaytal-Parkplatz, wo die Polizei in einem VW-Bus ihre provisorische Einsatzzentrale eingerichtet hat. Die Fundstücke der Männer, ein Paar Handschuhe, eine Mütze, eine Digitalkamera und ein Rasierapparat haben wohl nichts mit dem Fall zu tun, sagt am Abend Bernd Michels, der Chef der 40-köpfigen Sonderkommission (Soko) "Nicole". Auch die anderen Suchtrupps finden bis zum Einbruch der Dunkelheit nichts Verwertbares. "Ergebnislos abgebrochen", lautet schließlich das ernüchternde Fazit des Soko-Chefs. Dass die Suche nach der von Verwandten als "lebenslustig" und "immer gut gelaunt" charakterisierten jungen Frau selbst einem gestandenen Kripo-Beamten zusetzt, ist Bernd Michels wenige Stunden zuvor anzumerken, als er die über 200 Helfer auf dem Parkplatz begrüßt. "So eine Situation", sagt er, "habe ich in den letzten 20 Jahren noch nicht erlebt. Beten wir, dass Nicole noch lebt."Michels Wunsch - "Hauptsache, wir finden etwas" - ist bis Mittwochabend nicht in Erfüllung gegangen. Doch der Soko-Chef hat schon am Mittag versprochen: "Wir machen weiter, wir lassen nicht locker."Schon heute wird die Suche nach Nicole fortgesetzt - laut Polizei auch mit Tauchern und Leichenspürhunden. Kein Zweifel: Die Fahnder rechnen mit dem Schlimmsten.