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Vorfall mit Lastwagen in Düsseldorf
Betonsperren haben laut Dekra nur Placebo-Effekt

Bei einem Test der Dekra durchbrach der Lastwagen die Betonklötze (Archivbild).
Bei einem Test der Dekra durchbrach der Lastwagen die Betonklötze (Archivbild). FOTO: dpa, tba
Betonsperren sollen in der Düsseldorfer Altstadt vor Lastwagen-Angriffen schützen. Doch ein Vorfall am Montag, als einer der Poller verschoben wurde, weckt Zweifel daran. Die Dekra fordert Alternativen zu den Klötzen. Hendrik Gaasterland

Bei den Anschlägen in Nizza oder auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz rasten die Täter in Lastwagen mit einer hohen Geschwindigkeit auf Menschen zu, um möglichst viele Unschuldige zu töten. Damit sich so etwas nicht wiederholt, werden in Deutschland bei Großveranstaltungen häufig Betonpoller aufgestellt, die die Fahrzeuge im Ernstfall stoppen sollen.

Doch ein Unfall am Montag in der Düsseldorfer Altstadt weckt Zweifel daran. Ein Lastwagen soll versehentlich die Blöcke beiseite geschoben haben - mit geringer Geschwindigkeit.

Zu hohe Energie bei Tempo 50

Die Prüfgesellschaft Dekra deckte für einen Beitrag des MDR bereits im vergangenen Jahr die Schwachstellen auf. Bei den Tests fuhr ein Lastwagen mit Tempo 50 auf die Betonsperren auf. Einmal standen die Quader quer zur Fahrtrichtung, einmal schräg. Der Lkw schob die jeweils 2,4 Tonnen schweren Betonblöcke beiseite, durchbrach fast ungebremst die Absperrungen - die Energie des Lasters war zu groß.

Besonders riskant: Beim schrägen Anfahren auf die Anti-Terror-Sperren rutschten die Betonklötze beim Aufprall wie Geschosse über den Boden (Billard-Effekt). Im Ernstfall hätten sie Menschen mit großer Wucht treffen können.

Deshalb sagt Marcus Gärtner, Crashtest-Projektmanager bei der Dekra: Die Betonsperren könnten einen Laster beschädigen, so dass der Fahrer nicht mehr lenken könne - so werde vielleicht Schlimmeres verhindert. "Außerdem sind sie konkurrenzlos günstig", sagt der Fachmann. "Aber sofort stoppen können sie einen Laster nicht."

Zudem könnten die grauen Klötze eine psychologische Wirkung haben, einen Placebo-Effekt: "Sie bieten keinen Schutz. Aber wenn Besucher die Betonsperren sehen, denken sie vielleicht, dass sie sicher seien."

Fundament zwei Meter tief im Erdreich

Aber eine bessere Lösung seien Sperren, die die Energie des Aufpralls ableiten würden. Das sei bei fest in den Boden verankerten Pollern der Fall. "Das Fundament geht zwei Meter tief ins Erdreich. Eine solche Installation ist nicht günstig, sie wäre aber ein dauerhafter Schutz", sagt Gärtner. Eine zweite Möglichkeit seien sogenannte Panzersperren, bei denen die Energie von der Horizontalen in die Vertikale abgeleitet wird. "Die Fahrzeuge werden nach oben katapultiert und aufgebockt."

Gärtner vermutet, dass Städte aus finanziellen Gründe weiterhin in Betonsperren investieren. Er plädiert dafür, dass die Kommunen mehr Geld in die Hand nehmen und für Sperren ausgeben, die fest in den Boden verankert werden. "Natürlich ist eine Anschaffung zunächst teuer. Aber oft sind es ja Städte, die häufiger eine Fläche absperren wollen. Auf Dauer kann es sich dann doch rechnen, wenn man auf Mietkosten für andere Maßnahmen verzichten kann."