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Betriebe ziehen bei Elterngeld mit

Betriebe ziehen bei Elterngeld mit

BERLIN. Das Gesetz zum Elterngeld wird morgen im Bundestag beschlossen. Zur Freude von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat eine Mehrheit der deutschen Unternehmen die neuen Bestimmungen schon jetzt positiv verinnerlicht.

Nach einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie in Allensbach wird das neue sozialpolitische Vorgehen immerhin von 61 Prozent der Betriebe begrüßt. 55 Prozent erwarten "keine größeren Probleme" bei einer zweimonatigen Unterbrechung der Beschäftigung durch die Väter. Die Zustimmung gehe auch darauf zurück, dass eine Unterstützung junger Familien als wünschenswert gelte und im Interesse der Wirtschaft liege, meinte die Geschäftsführerin des Instituts, Renate Köcher, gestern in Berlin. Mit dem Elterngeld sollen Mütter oder Väter von 2007 an für ein Jahr 67 Prozent des früheren Nettoverdienstes (maximal 1800 Euro) erhalten, wenn sie ihr Kind daheim betreuen. Das Elterngeld wird weitere zwei Monate gezahlt, wenn auch der andere Partner für mindestens zwei Monate beim Kind bleibt. Mit diesem Schritt will von der Leyen den Kinderwunsch berufstätiger Paare stärken und Väter zur Betreuung animieren. Die Details des Gesetzes waren bis zum Schluss strittig. So verständigte sich die große Koalition erst in dieser Woche auf eine letzte Korrektur beim so genannten Geschwisterbonus. Er soll nun ein Jahr länger berücksichtigt werden als ursprünglich geplant. Wird ein weiteres Kind innerhalb von 36 Monaten (vorher 24 Monate) nach der Ankunft des ersten Kindes geboren, ist zusätzlich zum Elterngeld ein Bonus von zehn Prozent, mindestens aber 75 Euro, fällig. Der Allensbach-Umfrage zufolge akzeptieren 72 Prozent der Unternehmen eine Mitverantwortung, um ihren Mitarbeitern die Entscheidung für ein Kind zu erleichtern. Knapp drei Viertel der Unternehmen schätzen die Auswirkungen des Elterngeldes als neutral ein. Sieben Prozent rechnen mit betrieblichen Vorteilen, 18 Prozent mit Nachteilen. Darunter sind vor allem Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Ihnen bereitet jedes Ausscheiden von Mitarbeitern Kopfzerbrechen, egal ob Mütter oder Väter, ob kurz- oder langfristig. Insgesamt unterstützen 59 Prozent der Betriebe eine zeitweilige Reduzierung der Arbeitszeit bei jungen Vätern. Für 48 Prozent geht auch die Unterbrechung für zwei Monate in Ordnung. 44 Prozent sprechen sich allerdings dagegen aus. Freilich rechnen Geschäftsführer und Personalmanager auch damit, dass die meisten Väter ihre Elternzeit gar nicht in Anspruch nehmen werden. Nur vier Prozent kalkulieren mit einer intensiven Nutzung.