Bis 2030: 30 Prozent Energie einsparen

Bis 2030: 30 Prozent Energie einsparen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger kommt Deutschland bei seinem Energieeffizienz-Ziel entgegen. Die EU soll bis 2030 ein knappes Drittel ihres Verbrauchs einsparen.

Brüssel. Die Bundesregierung, Frankreich und der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatten sich für eine ehrgeizige Vorgabe stark gemacht. Andere Staaten wollten weit weniger weit gehen. Letzte Entwürfe der Kommission lagen unter 30 Prozent.
"Unser Ziel ist es, das richtige Marktsignal zu senden und einen Anreiz für weitere Investitionen in energieeffiziente Technologien zu schaffen", so Oettinger. Derzeit gilt ein Ziel von 20 Prozent mehr Effizienz bis 2020. Nach jetzigem Stand werden aber nur 18 oder 19 Prozent erreicht. Unsere Korrespondentin Anja Ingenrieth beantwortet die wichtigsten Fragen.
Inwieweit ist das Einsparziel verpflichtend?
Das ist noch offen. Die Mitgliedsstaaten sollen beim EU-Gipfel im Oktober selbst entscheiden, ob das 30-Prozent-Ziel verpflichtend - mit Vorgaben für jedes Land - werden soll oder nur ein indikatives Ziel für die gesamte EU darstellt. Umweltschützer kritisieren das. "Ein Ziel ohne Verbindlichkeit ist wie ein Vertrag ohne Unterschrift", so die EU-Klimaschutzreferentin des WWF, Juliette de Grandpré. "Damit ist einer Verwässerung der Klimaschutzziele Tür und Tor geöffnet."
Gibt es andere Ziele?
Das Effizienz-Ziel ist Teil der umfassenden EU-Klimaschutzstrategie für 2030. Es soll dazu beitragen, den Treibhausgas-Ausstoß bis dahin um 40 Prozent (im Vergleich zu 1990) zu mindern. Zu diesem Zweck soll zudem der Anteil erneuerbarer Energien auf 27 Prozent ausgebaut werden.
Was kostet das Effizienz-Ziel?
Die Kommission rechnet mit einem jährlichen Investitionsbedarf von rund 20 Milliarden Euro in allen 28 EU-Ländern, um das Ziel zu erreichen. Der Vorsitzende der CDU/CSU Europaabgeordneten, Herbert Reul, rechnet mit "enormen Zusatzkosten von fast 30 Milliarden Euro pro Jahr” sowie "einer flächendeckenden Zwangssanierung von Altbauten”.
Was bringen die Vorgaben?
Sie sollen zu erschwinglichen Energiepreisen für Verbraucher beitragen. Die EU-Kommission rechnet zudem vor, dass allein effizientere Haushalts-Geräte für die Verbraucher bis 2020 jährliche Energiekosteneinsparungen von 100 Milliarden Euro bedeuten - rund 465 Euro pro Jahr und Haushalt.
Klar ist aber: neue Effizienz-Regeln für Alltags-Geräte wie Kaffeemaschinen sind zwangsläufig, wenn das Ziel erreicht werden soll. "Maßnahmen wie das EU-Glühbirnenverbot werden fröhliche Urständ feiern", prophezeit Reul.
Um wieviel verringert das Energiesparen die Importabhängigkeit der EU etwa von russischem Gas?
Ein Prozent Energieeinsparung reduziert laut Kommission die Energieabhängigkeit der EU um 2,6 Prozent. Zuletzt kostete die Importabhängigkeit die EU-Länder rund eine Milliarde Euro am Tag.
Wie sind die Reaktionen?
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hieß die Pläne gut. Mehr Energieeffizienz müsse "dem Gebot der Wirtschaftlichkeit folgen", teilte der Verband mit. Auch die Bundesregierung begrüßte laut EU-Diplomatenkreisen den Plan. Es sei aus Berliner Sicht ein "ambitionierter Vorschlag", hieß es in Brüssel.
Umweltschützer, Grüne und Sozialdemokraten halten die Pläne für zu schwach. Warum?
Es geht darum, dass Europa Vorreiter beim Klimaschutz bleibt. Mit ihren Vorgaben bis 2020 - den C0-Ausstoß um 20 Prozent zu verringern, den Anteil der Erneuerbaren am Energie-Mix auf 20 Prozent zu erhöhen und den Energieverbrauch um 20 Prozent zu senken - war die EU das bisher. Bei der Klimakonferenz in Paris 2015 wollen die Europäer ein globales Abkommen erreichen, damit auch Großverschmutzer wie die USA, Brasilien oder China mitziehen.
Was haben die bisherigen Energiespar-Anstrengungen gebracht?
Die Energieintensität in der europäischen Industrie ist zwischen 2001 und 2011 um nahezu 19 Prozent gesunken. Neubauten verbrauchen heutzutage nur halb so viel Energie wie noch in den 1980er Jahren.
Wie geht es jetzt mit den neuen Zielen weiter?
Das EU-Parlament und die Hauptstädte müssen den Plänen noch zustimmen.
Das wird schwierig. Die Abgeordneten fordern eine Steigerung der Energieeffizienz um 40 Prozent bis 2030.Meinung

Zu kurz gesprungen
Der Vorschlag der EU-Kommission, als Energieeffizienz-Ziel bis 2030 eine Einsparung von nur 30 Prozent anzusetzen, springt viel zu kurz. Er ist ein Angebot an die Bequemlichkeit aller Beteiligten. Er bedeutet Stillstand. Ein hohes Effizienz-Ziel ist so wichtig, weil erst dann eine effiziente europäische Energiepolitik gemacht werden wird. Eine stärkere Förderung der Gebäudesanierung etwa. Auch wird es alternative Antriebe im Verkehr erst geben, wenn es sie geben muss. Gleiches gilt für Top-Runner-Programme, die Stromschleudern aus den Haushalten verbannen. Jedes Quantum gespartes Öl und Gas ist eine Überweisung weniger an die Scheichs oder an Putin. Energieeffizienz schafft heimische Arbeitsplätze. Ein Ziel von 40 Prozent bis 2030, wie es das Europäische Parlament empfohlen hat, ist wahrscheinlich das beste Wirtschaftsförderprogramm für das schwächelnde Europa, das die EU finden kann. Es bleibt die Hoffnung, dass die neue Kommission unter Jean-Claude Juncker das kapiert und hier nachbessert. nachrichten.red@volskfsreund.de

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