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Bitburger Kopten fürchten Terroranschlag

Obwohl es laut Polizei keine konkreten Terrordrohungen gegen die koptischen Christen in Bitburg gibt, fürchtet die Gemeinde, dass sie am Donnerstag Ziel eines islamistischen Anschlags werden könnte. Von unserer Redakteurin Katharina Hammermann

Bitburg. Ein kleiner Raum im ersten Stock eines ehemaligen Kasernengebäudes auf dem Flugplatz Bitburg. In den Geruch von Tee mischt sich jener des ägyptischen Weihrauchs, der aus der reich verzierten koptischen Kirche im Erdgeschoss heraufsteigt. Und in die Stimmen der ernst dreinblickenden Männer mischen sich jene ihrer Glaubensbrüder, die in Ägypten für einen besseren Schutz der Christen demonstrieren: Ein You-Tube-Video läuft. Es zeigt, wie die ägyptische Polizei auf Demonstranten einschlägt. Dann Bilder vom Anschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria. Blut. Blut und Zeitungen, die tote Körper bedecken.

"Wir wissen, dass wir gefährdet sind. Überall in der Welt und auch hier", sagt einer der Männer. Er ist einer von rund 150 koptischen Christen in Rheinland-Pfalz, die regelmäßig in der St.-Athanasius-Kirche in Bitburg zusammenkommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. So, wie sie dies auch am Donnerstag tun werden. An Weihnachten, das einer anderen Kalenderrechnung folgend erst am 6. Januar gefeiert wird. Auch in Bitburg. Trotz der Terrordrohungen, die gegen Kopten in Deutschland auf einer radikal-islamistischen Internetseite ausgesprochen wurden.

Eine konkrete Drohung gegen die Bitburger Gemeinde hat es dem Polizeipräsidium Trier zufolge nicht gegeben. Dennoch haben die Mitglieder Angst und folgen bereitwillig dem Rat der Polizei: Vor dem Haus stehen keine Autos mehr. Und regelmäßig halten Gemeindemitglieder draußen nach Auffälligkeiten Ausschau. Auch das Weihnachtsfest wird ein Teil der Gläubigen nicht in der Kirche, sondern auf Patrouille verbringen.

Für viele von ihnen ist es das erste Mal, dass sie sich auch in Deutschland bedroht fühlen. Ein Gefühl, das in der ägyptischen Heimat allgegenwärtig war. Während Jesus sanftmütig von den farbenfrohen Bildern her-ablächelt, die die Zimmerwände der ehemaligen US-Kaserne zieren, gehen die Männer die lange Liste der Orte durch, an denen in den vergangenen Jahren blutige Anschläge auf Christen verübt wurden: El Omrania, El Zawia, Kloster Abu Fana, Abu Gurgas

Alles in der Geschichte der koptisch-orthodoxen Kirche sei mit Blut und Unterdrückung verbunden, sagt einer von ihnen. Christen seien in Ägypten nicht frei, nicht sicher. Weil er bald für einen Aufenthalt dorthin zurückkehrt, möchte er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. "Wir wissen, welches Hasspotenzial es gibt", sagt er. Und die ägyptische Regierung unternehme nichts dagegen. Das ist auch der Grund, warum er und die anderen nun nicht mehr dort sind, sondern hier in Deutschland. Sie haben genug von der Diskriminierung, über die einige von ihnen bei einem Glas Tee ihre persönliche Geschichte erzählen: Mal dreht sie sich um einen verletzten Freund, dem im Krankenhaus nicht geholfen wird. Mal um Frauen, die mit Aufnahmen aus Umkleidekabinen erpresst werden sollen, zum Islam überzutreten. Oder um kleine Kreuze, die große Aggression auslösen "Wer die Chance hat, frei zu leben, wird sie nutzen." Auch, wenn es schmerze, das Land zu verlassen, das so eng mit dem Leben Jesu verbunden sei.

Jesus, der doch gelehrt habe, dass man auch seine Feinde lieben soll. "Das ist unsere Religion", sagt Mina Saleh, ein Mann in langer schwarzer Robe mit wallendem weißen Bart - der Priester der Bitburger Gemeinde. "Wir lieben die Moslems, auch, wenn sie uns hassen." Der Geistliche versteht die Intoleranz nicht. Jeder solle glauben, was er glauben will, sagt Saleh. "Wir wollen doch nur in Frieden leben." Die koptisch-orthodoxe Gemeinde in Bitburg hat rund 150 Mitglieder aus 50 Familien. Die meisten von ihnen stammen aus Ägypten und leben seit mehr als einem Jahrzehnt in Rheinland-Pfalz oder Luxemburg. Drei Mal wöchentlich finden in der St.-Athanasius-Kirche am Bitburger Flugplatz Gottesdienste statt. Nach einem gemeinsamen Abendessen übernachten viele der Anreisenden im Gemeindezentrum.