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Bitburger Maibaum am Hindukusch

BITBURG/KABUL/ERBIL. Irak und Afghanistan: Viele Menschen im Westen verbinden mit beiden Ländern Krieg und Terror. Einer der wenigen, die andere Zustände kennen gelernt haben, ist Gastronom Gunter Völker. In seinem "Deutschen Hof" bietet er nicht nur Spezialitäten wie Schweinshaxen und Bier an. Er importiert sie auch aus Deutschland, wie etwa "Bitburger Pils" direkt aus der Eifel. Von unserer Redakteurin <br>SABINE SCHWADORF

Über dem Biergarten weht die deutsche Fahne, auf der Speisekarte stehen Rheinischer Sauerbraten mit selbst gemachten Spätzle und Schweinshaxe mit Sauerkraut, und zu trinken gibt es frisch gezapftes Bitburger Pils, Köstritzer Schwarzbier und Wernesgrüner. Nur befindet sich diese Idylle nicht im Thüringer Wald oder in der Eifel, sondern in einer der ältesten Städte der Welt - im kurdischen Erbil im Irak.Gastronom und Hausherr des "Deutschen Hof International" ist der 42-jährige Gunter Völker, der mit seiner Gaststätte nicht nur Europäern die Heimat ein Stück näher bringt, sondern vor allem Einheimischen die deutschen Traditionen vermittelt. "Erbil liegt im kurdischen Teil des Irak. Hier ist die Lage sehr sicher. Aber man muss wissen, wo man sich hinbewegt", sagt er. Folglich seien die Warnhinweise des Auswärtigen Amtes auch nicht ganz richtig. Und in gewisser Weise repräsentiere er Deutschland in Kurdistan: "Inzwischen bin ich vollständiges Mitglied einer kurdischen Familie geworden."

Vom Zeitsoldat zum Gastronom

Dass es bei der Kommunikation manchmal mit Händen und Füßen zugeht, gesteht man dem deutschen Gastronomen gern zu, sind doch viele Kurden lange im Rheinland gewesen. Sie können sich mit ihm auch auf Deutsch unterhalten - wie etwa Erbils Bürgermeister und Regierungspräsident, der lange in Bonn gelebt hat. Und in der kurdischen Stadt mit ihren 20 000 Bewohnern und einem Anteil an Christen von 90 Prozent lernt man sich beim Bier auch schon mal besser kennen. Denn ihnen ist weder der Konsum von Schweinefleisch noch von Alkohol untersagt. "Wir haben einen deutschen Stammtisch, der ist eine Kult-Institution", sagt Völker, der sein Lokal erst seit acht Monaten im Irak unterhält.

Schon vor drei Jahren eröffnete er dagegen sein Lokal in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Eine Art Notlösung, denn nach 14 Jahren Dienst bei der Bundeswehr, davon ein Jahr in Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) und sechs Jahre auf dem Balkan, "kam es doppelt dick: Zivilist und dann die Rückkehr nach Deutschland, das wäre zu viel auf einmal gewesen", sagt Völker. Den Tipp eines Bekannten, in Afghanistan ein deutsches Restaurant zu eröffnen, fand er toll, und er zog auf eigenes Risiko nach Zentralasien. "Das war damals einfach, die Behörden haben einen mit offenen Armen empfangen. Heute gelten Investoren als Melkkühe. Ich würde dort nicht mehr hingehen", sagt der Single.

Exotischster Abnehmer der Bitburger Brauerei

Denn auch die Arbeitsbedingungen für Völker und sein Team haben sich in Afghanistan verschlechtert. Während die Verpflegung mit Nahrungsmitteln über deutsche, französische, italienische oder amerikanische Großhändler reibungslos funktioniert, braucht das Bitburger Pils auf dem Weg von der Eifel über Rotterdam und Pakistan nach Afghanistan acht Wochen. Denn Bier scheint heiße Schmuggelware zu sein, kommt es doch auf dem Weg durch den Hindukush immer wieder zu Problemen. "Da passiert es, dass Bier nach Pakistan geliefert wird und Wasser in den Fässern in Kabul ankommt", sagt der Gastronom. Im Irak kommt die Bierladung dagegen pünktlich nach vier Wochen Fahrt über Rotterdam und die Türkei an. Mit dabei: Die komplette Gaststättenausrüstung vom Pils-Lätzchen über Bierdeckel, Tablett und Servierschürzen fürs selbst ausgebildete Service-Personal - in grün-gelb für Afghanistan, in bordeaux-rot und schwarz für Erbil, politisch korrekt, versteht sich.

Dafür darf sich Gunter Völker als einer der ungewöhnlichsten Kunden der Bitburger Brauerei bezeichnen: "Wir sind zwar nicht die größten Abnehmer, aber die exotischsten." Rund vier Schiffscontainer mit rund 450 Fässern mit je 30 Liter Pils und Schwarzbier bestellt er im Jahr bei der Eifeler Brauerei. Ein purer Zufall, dass Völker zur Bitburger kam: "Als gebürtiger Thüringer wollte ich natürlich Köstritzer Schwarzbier verkaufen. Und der Export läuft über Bitburger. Mein Glück, dass sich die Brauerei darauf eingelassen hat. Ich kenne Bitburg und die Mosel von meiner Zeit als Soldat in Hermeskeil - eine tolle Gegend."

Zurzeit ist Gunter Völker auf Deutschlandurlaub. "Ich will Kontakt zu den Brauereien aufnehmen und suche einen deutschen Koch", sagt er. Denn auf eines legen sowohl seine Gäste in Afghanistan als auch die in Kurdistan Wert: auf deutsche Qualität, ob bei der Schweinshaxe oder beim Pils.

Interessenten können sich bei Gunter Völker per E-Mail unter Deutscher-Hof-International@web.de melden.