Bitte keinen Einheitswein

Es ist schon bemerkenswert, wenn eine EU-Kommissarin, in diesem Fall Mariann Fischer- Boel, zuständig für die Agrar- und Weinbaupolitik von Süditalien bis Deutschland, sich auf den Weg an die Mosel macht.

Es herrscht halt immer noch der Eindruck vor, dass "die da in Brüssel" in ihrem Glashaus sitzen, zu oft über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden, sich Gesetze und Verordnungen ausdenken, die "draußen" keiner nachvollziehen kann. Fischer-Boel hat gestern versprochen zuzuhören. Das ist in Brüssel nicht selbstverständlich. Immerhin geht es um eine Reform, die, sollte sie so umgesetzt werden wie von der Kommission angedacht, ganz gravierende Folgen für die Winzer an der Mosel und in ganz Deutschland hätte. Es geht um nicht weniger als um deren Existenz. Ein Verbot der traditionellen Verwendung von Zucker zur Erhöhung des Alkoholgehaltes, die übrigens auch in Frankreich immer schon praktiziert wurde, wäre für den deutschen Weinbau eine Katastrophe. Wenn dann gleichzeitig der Verschnitt von Weinen aus Übersee mit europäischen Weinen erlaubt würde, wäre das der endgültige Todesstoß für die Winzer. Gut, dass gestern alle deutschen Vertreter der Weinwirtschaft und der Politik, von Nord bis Süd, von CDU über SPD und FDP bis zu den Grünen der Kommissarin deutlich gemacht haben: Das werden wir nicht hinnehmen. Selten war man sich in der deutschen Weinwirtschaft so einig. Gut auch, dass die Mosel-Weinkellereien offenbar eingesehen haben, dass die Erlaubnis, Überseeweine mit deutschen Weinen vermischen zu dürfen, ihnen letztlich mehr schadet als nützt. Vielleicht sollten die Kellereien dies nach außen noch etwas deutlicher sagen. Es wird in der Weinwirtschaft immer die zwei Produktionszweige traditionelle Erzeugung (Winzer) und industrielle Erzeugung (Kellereien) geben. In der industriellen Erzeugung darf aber nicht alles erlaubt werden. Einen Einheitswein, Marke Coca-Cola, will keiner. w.simon@volksfreund.de

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