Blamabel

Die französische Informationspolitik in Sachen Cattenom ist eine Katastrophe. Das ist die eine Seite. Und die ist nichts Neues. Weitaus schlimmer ist die Nicht-Reaktion auf deutscher Seite. Man werde die Unterlagen eingehend prüfen, verlautete zunächst einmal aus dem Mainzer Umweltministerium, wo die Cattenom-Pläne seit Anfang Juli bekannt sind.

Brav legt man die Hände in den Schoß und wartet ab. Erst als der Wirbel immer größer wurde, fühlte sich Ressortchefin Conrad bemüßigt, betroffen zu tun und sanft mit der Faust auf den Tisch zu klopfen: Wir sind dagegen. Nur wogegen, das kann derzeit weder in Mainz noch in Berlin jemand sagen. Denn was in Cattenom, einen Steinwurf von der deutschen Grenze entfernt, geplant ist, das weiß offenbar keiner. Die einen (Kreis Trier-Saarburg und Berlin) wurden erst gar nicht informiert, und die anderen (Mainz) wollten das Ganze offenbar erst einmal abhängen lassen und haben sich anscheinend noch nicht einmal bemüht, nähere Infos zu bekommen. Nach der Pleite wegen der Belastung der Moselfische erneut eine Blamage für das Mainzer Umweltministerium. Während in Luxemburg und Lothringen die Cattenom-Anrainer zumindest die Gelegenheit haben, die Pläne anzuschauen, hält das Land es noch nicht einmal für nötig, betroffene Kommunen und Bürger darüber zu informieren. Wieder ein Beispiel dafür, dass die propagierte Großregion ein Papiertiger ist. Viel wird über grenzüberschreitende Zusammenarbeit palavert, aber wenn es ernst wird, zeigt jeder auf den anderen. b.wientjes@volksfreund.de