Blauer Dunst

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hat der Arbeitszeit-Diskussion das Sahnehäubchen aufgesetzt: Wenn der Deutsche am Arbeitsplatz ist, macht er gerne Tee- oder Zigarettenpause. Damit muss Schluss sein oder er bekommt dies vom Lohn abgezogen.

Da schwingt Walter kräftig mit der Arbeitskosten-Keule, aber steht es nicht jedem Betrieb frei, Pausen zu begrenzen und das Rauchen am Arbeitsplatz gar ganz zu verbieten? Walters Einwurf ist populistisch, viel blauer Dunst eben. Dabei sollte gerade die Arbeitszeitdiskussion sachlicher geführt werden: Was wir brauchen sind flexible Lösungen und Arbeitszeitmodelle, die die demografische Entwicklung einschließen. Wer sich nur darauf beschränkt, Mehrarbeit einzufordern, wird dem Standort Deutschland schaden. Es werden nicht mehr Autos verkauft, nur weil Opel und VW mehr produzieren. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung gibt es allerdings für die Berufstätigen nur eine Erkenntnis: Um den Lebensstandard halten zu können, müssen wir länger arbeiten. Wirtschaft und Gewerkschaften täten gut daran, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten: Denn Arbeitszeit, Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität gehören zusammen und bestimmen nachhaltig den Erfolg eines Unternehmens. h.waschbuesch@volksfreund.de