Bloß keinen Wettbewerb

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kaster ist ein Bahn-Freund. Das ist nichts Neues. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass es täglich einen ICE von Trier nach Berlin gibt - zwar braucht er länger als die bisherigen Verbindungen und wird bislang auch nur wenig genutzt, aber egal.

Auch klopft der sich stets für die Region einsetzende Unionsmann ständig bei der Bahn an, um eine bessere Verbindung nach Luxemburg zu erreichen. Klar, dass man sich nach ständigen Forderungen auch mal für das Unternehmen stark machen muss. Etwa beim Nahverkehr an der Mosel: Statt den attraktiven Auftrag auszuschreiben, soll der zuständige Zweckverband direkt mit dem bisherigen Anbieter, der Bahn, verhandeln und ihm am besten gleich den Zuschlag erteilen. Auch wenn Kaster ansonsten ein vehementer Verteidiger des Wettbewerbs ist und Zeter und Mordio schreit, wenn bei Großaufträgen keine Ausschreibung erfolgt, und das regionale Handwerk angeblich keine Chance hat. Es ehrt den rührigen Politiker, dass er als Begründung den möglichen Arbeitsplatzabbau für seine allen politischen Regeln widersprechende Forderung anführt. Doch wer garantiert, dass die Stellen erhalten bleiben, wenn die Bahn weiter für den Nahverkehr an der Mosel zuständig ist? Das Unternehmen muss sich dem Wettbewerb stellen, die Konkurrenz im Nahverkehr steht in den Startlöchern und hat auf einigen Strecken bewiesen, dass sie es zumindest nicht schlechter, mancherorts sogar besser kann als das immer noch träge Staatsunternehmen. Es kann nicht sein, dass der Bund die Mittel für den Nahverkehr kürzt und von den zuständigen Trägern erwartet wird, bei der Vergabe unabhängig von Leistung und Kosten bestimmte Unternehmen zu bevorzugen. Die Zeiten des Bahnmonopols im Nahverkehr sind vorbei. Das sollte auch in Berlin bekannt sein. b.wientjes@volksfreund.de