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Geheimdienst BND
Potenzielle Spione – bitte melden!

Hell und transparent erscheint das Atrium des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin.
Hell und transparent erscheint das Atrium des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin. FOTO: Marion Schmieding / dpa
Trier. Der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes, Bruno Kahl, plaudert in Trier  ein bisschen aus dem Nähkästchen. Von Rolf Seydewitz

Bruno Kahl muss schmunzeln. „Ich wollte nur wissen, wie man Geheimagent wird“, fragt ein junger Mann aus dem Saal den Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND). Auch die übrigen Anwesenden können sich das Lachen nicht verkneifen. Da steht der Chef von vermutlich mehreren Tausend Auslandsspionen, also einer von Deutschlands obersten Geheimniskrämern. Und ausgerechnet der soll nun vor mehr als 200 Leuten im Publikum verraten, wie man das deutsche Gegenstück zu James Bond wird.

Bruno Kahl antwortet, und es klingt so, als säße man in diesem Moment dem Personalchef von Mercedes oder Miele gegenüber. „Wie haben viele offene Stellen“, sagt der 55-Jährige, „in technischen Berufen, Sprachen oder anderen Bereichen. Und wir sind dankbar für jeden, der sich für eine dieser Tätigkeiten erwärmen kann.“ Details, sagt der BND-Chef, „finden Sie im Internet“.

Es ist schon ein ungewöhnlicher Gast, den sich die regionale CDU an diesem Abend ausgerechnet zum Politischen  Aschermittwoch nach Trier eingeladen hat. Kein Haudrauf-Politiker vom Schlage eines Markus Söder oder Ralf Stegner, sondern eher ein gewöhnlicher deutscher Beamter: ruhig, abwägend, sachlich.

Doch Bruno Kahl ist  kein gewöhnlicher Beamter: Als Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes steht der promovierte Jurist einer Behörde von rund 7500 Mitarbeitern vor, deren Aufgabe es ist, möglichst frühzeitig zuverlässige Informationen über sicherheitsrelevante Vorgänge im Ausland zu besorgen.

Dass sich der BND-Präsident öffentlich äußert, kommt eher selten vor. Es liegt ja auch in der Natur der Sache. Seit seinem Amtsantritt im Juli 2016 hat der Geheimdienstler gerade einmal zwei Interviews gegeben. Von daher können sich die Zuhörer im Trierer IAT Tower gewiss sein, einem ziemlich seltenen Ereignis beizuwohnen.

Natürlich verrät Bruno Kahl an diesem Abend keine Geheimnisse – dann wäre er seinen Job auch rasch wieder los – er plaudert höchstens ein bisschen aus dem Nähkästchen. Aber auch das gewährt interessante Einblicke.

Die Bekämpfung des internationalen Terrorismus’ nennt Kahl als eine der wichtigsten Herausforderungen für den Bundesnachrichtendienst. Dabei hat der BND derzeit vor allem den Islamischen Staat im Blick.

Zwar sei inzwischen die vom IS angestrebte Territorialherrschaft in Syrien und dem Irak weitgehend zurückgedrängt worden. Aber die Fähigkeit, Attentate mit schwerwiegenden Folgen auszuführen, bestehe weiter. „Wir versuchen, die Leute im Ausland auf dem Schirm zu haben, wenn sie in Richtung Europa gehen“, umreißt der BND-Präsident die Aufgaben seiner Leute.

Hinter vielen Cyber-Attacken und Spionageangriffen auf Unternehmen sieht Bruno Kahl Russland und China als Urheber. Vor allem die Chinesen gingen dabei sehr zielstrebig vor. Vor deren technischen Fähigkeiten müsse man sich schützen, rät Kahl, der auch das oft zitierte Projekt einer neuen Seidenstraße skeptisch sieht. Dadurch versuche China, sich politischen und wirtschaftlichen Einfluss zu sichern und auch andere Länder von sich abhängig zu machen. Für seine Spione sei es schwierig, im Reich der Mitte an Nachrichten zu kommen, so der Chef des Auslandsgeheimdienstes.

Auch die Entwicklung in Russland mache den Geheimdiensten Sorgen. Wie man an der Krim, an der Ukraine und an Syrien sehe, unternehme Russland alle möglichen Anstrengungen, „um militärisch nach vorne zu kommen“, sagt Bruno Kahl, der dem Land auch gezielte Stimmungsmache durch gefälschte Nachrichten (Fake-News) vorwirft mit dem Ziel, Zerfallsprozesse in Gang zu setzen.

Bei einer der letzten Fragen  aus dem Publikum muss Kahl wieder schmunzeln. „Inwiefern muss der BND denn nun anders aufgestellt werden“, will ein Herr aus dem Publikum wissen, „wo der britische Geheimagent 007 durch den Brexit doch demnächst wegfällt?“

Der BND-Chef schüttelt den Kopf: „Gar nicht.“ Er habe erst kürzlich ein Schreiben seiner britischen Kollegen mit der Bitte bekommen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Kahls Schlussfolgerung: „Was die Sicherheitsdienste angeht, gibt es keinen Brexit.“

Gast beim CDU-Neujahrsempfang: Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes.
Gast beim CDU-Neujahrsempfang: Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes. FOTO: Friedemann Vetter