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Börsenkurse steigen nach Brüsseler Gipfel – Trierer Bischof wirft der Politik Versagen vor

Börsenkurse steigen nach Brüsseler Gipfel – Trierer Bischof wirft der Politik Versagen vor

Erleichterung nach dem Gipfel: Ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland, ein stärkerer Rettungsfonds und italienische Sparpläne sollen den Euro absichern. „Das Krisenmanagement der Politik ist zu zögerlich“, kritisiert aber der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Mit einem gigantischen Hilfspaket wollen die Euro-Staaten die Schuldenkrise eindämmen und den Euro absichern. Börsen und Politiker reagierten erleichtert auf den nach zähen Verhandlungen erzielten Durchbruch.

Der Schutzwall gegen die gefährliche Krise umfasst ein neues 100-Milliarden-Euro-Paket sowie einen Schuldenschnitt für Griechenland. Dazu kommt die Rekapitalisierung von Banken, ein stärkerer Rettungsfonds EFSF und ein Sparprogramm in Italien. Die Ergebnisse des Gipfels überzeugten die Märkte. Der Dax stieg am Donnerstag um mehr als fünf Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang August.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach den Beratungen in Brüssel: "Wir haben gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen. Mir ist sehr bewusst, dass die Welt auf diese Beratungen geschaut hat." Es gebe nicht den einzigen Paukenschlag. "Aber dies hier ist ein wichtiges Paket auf dem Weg zu mehr Stabilität und zu einer Stabilitätsunion."

Der Trierer Finanzwissenschaftler Ludwig von Auer bezeichnet die Beschlüsse als einen Erfolg: "Es ist erstmals gelungen, ein Bündel zu schnüren, das nicht nur das nächste Feuer vorübergehend eindämmt, sondern auch Perspektiven für einen dauerhaften Brandschutz erkennen lässt." Der Schuldenschnitt für Griechenland werde einige Banken in eine finanzielle Schieflage bringen, "aber für Griechenland eröffnet er die Chance, aus der Schuldenfalle herauszukommen und einen Neuanfang zu machen". Allerdings befürchtet Auer, dass schon bald der nächste Krisengipfel wegen Italien notwendig sein wird.

Für den Trierer Bischof Stephan Ackermann sind die Brüsseler Beschlüsse dagegen allenfalls ein Schritt zur Krisenbewältigung. Bei der notwendigen strukturellen Neuordnung der Finanzmärkte hätten die Politiker bislang versagt. Seine Forderung: "Die Politik muss Finanzakteure zügeln und Finanzstrukturen steuern."
dpa/sey/wie