1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Böses Blut mit Blick auf Pakistan

Böses Blut mit Blick auf Pakistan

Bei dem US-amerikanischen Militäreinsatz gegen Osama bin Laden ließ Präsident Barack Obama die Regierung aus Islamabad offenbar ganz bewusst im Dunkeln. Die Amerikaner fordern nun Aufklärung darüber, ob Pakistan Osama bin Laden Hilfe geleistet hat.

Washington. Für John Brennan, den wichtigsten Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, ist der Fall klar: "Es ist unvorstellbar," so Brennan, "dass bin Laden kein Unterstützer-System in einem Land hatte, das ihm erlaubte, dort so lange zu bleiben." Es ist ein schwerwiegender Vorwurf mit möglicherweise ernsten Konsequenzen. Dass Regierungsstellen oder der Geheimdienst in Pakistan nichts davon wussten, dass der Terror-Pate in einem auffälligen Haus inmitten einer vor allem von Offizieren bewohnten Siedlung bis zu sechs Jahre lang lebte, will in Washington niemand glauben. "Jede Menge Erklärungsbedarf" gebe es nun in Islamabad, formulierte deshalb auch Obama-Parteifreund Carl Levin, Vorsitzender des Senats-Streitkräfteausschusses. Zumindest der Polizei hätte auffallen müssen, so Levin, dass die Bewohner des Anwesens sich stark abgesichert hätten. Das Misstrauen der US-Politik in pakistanische Stellen spiegelt sich auch durch den Ablauf der kühnen Kommandoaktion wieder. So starteten die beiden Hubschrauber zu der nächtlichen Aktion, ohne dass Islamabad davon wusste. Vielmehr hatten, wie aus Pentagonkreisen zu erfahren war, die Helikopter sogar Geräte an Bord, die eine Entdeckung vermeiden sollten. Erst nach Abschluss der Aktion und der Landung der Maschinen in Afghanistan informierte das Obama-Team die Stellen in Islamabad. Um einen maximalen Gesichtsverlust Pakistans zu vermeiden, nutzte Barack Obama wenig später die schwammige Formulierung, man habe von dort Unterstützung bei der Suche nach bin Laden erhalten - was sich aber ausdrücklich nicht auf die nächtliche Mission selbst beziehen sollte. Pakistans Präsident Asif Zardari trat in einem Beitrag für die "Washington Post" am Montag die Flucht nach vorn an. Vermutungen in den US-Medien, so Zardari, dass Islamabad die Gesuchten beschützte, seien "grundlose Spekulationen". Die Kooperation beider Länder habe zu bin Laden geführt. Allerdings räumte Zardari auch ein, dessen Eliminierung sei "keine gemeinsame Aktion" gewesen. Pakistans US-Botschafter Husain Haqqan sicherte eine "vollständige Untersuchung" zu, ob der Getötete im Land Unterstützung erhalten hatte. US-Kongressabgeordnete drohen derzeit mit der Streichung des Finanzpakets, das Washington jedes Jahr in Richtung Pakistan schickt. Das Land sei "ein unzuverlässiger Alliierter". Die Spannungen kommen zu einem Zeitpunkt, wo die letzte Krise erst beigelegt schien. Ende Januar hatte ein CIA-Mann zwei Pakistani erschossen, die ihn überfallen wollten. Umfrage zum Thema unter www.facebook.com/volksfreundMeinung

In der ZwickmühleDie Partnerschaft zwischen den USA und Pakistan ist seit langem eine sensible, von vielen Problemen geplagte Allianz: Drohnen-Attacken, von der Regierung in Islamabad insgeheim geduldet und von der Bevölkerung verflucht. Der latente Vorwurf aus den USA und Kabul, nicht genug im Kampf gegen den Terror zu tun. Und nun die explosive Frage: Wieviel Schutz haben pakistanische Stellen Osama bin Laden gegeben, der sich offenbar jahrelang in Sicherheit wähnen konnte? Auch wenn Pakistans Präsident sich empört gegen diese Annahmen wehrt: Die Vielzahl der bekannten Fakten aus Abbottabad spricht dafür, das der Terror-Pate nicht auf sich allein gestellt war. Das Weiße Haus steckt nun tief in einer Zwickmühle, denn es steht für Washington viel auf dem Spiel. Die USA benötigen ein Mindestmaß an Kooperation der pakistanischen Regierung. Diese Abhängigkeit der US-Regierung gilt vor allem für zwei Bereiche: Zum einen hofft man, dass ein Einsickern von Talibankämpfern nach Afghanistan verhindert wird. Zum anderen gilt es für das Weiße Haus, den Super-Gau zu verhindern: Dass Teile des pakistanischen Atom arsenals in die Hände radikalen Gruppen geraten, die sowohl für den Westen wie auch die Regierung in Islamabad eine Bedrohung darstellen. Aus diesen Gründen kann sich Washington keinen Bruch der Beziehungen leisten. Doch die größte Unwägbarkeit bleibt: Die Unterwanderung der pakistanischen Sicherheitskräfte durch Radikale. nachrichten.red@volksfreund.de