Brandbekämpfer kämpfen auch gegen Personalprobleme

Trier/Hermeskeil/Kell am See · In der Region Trier sehen sich die Wehren derzeit, 170 Jahre nach der Gründung des ersten freiwilligen deutschen Löschzugs, gut aufgestellt. Teilweise blicken sie aber mit Sorgenfalten in die Zukunft: Der demografische Wandel lässt grüßen.

Ob bei Bränden, Verkehrsunfällen, Sturmschäden, Unglücken am und auf dem Wasser oder wenn Tiere in missliche Lagen geraten - die Liste der Ereignisse, bei der Bürger in Not zum Hörer greifen und die 112 wählen, ist lang. Wer diese Nummer in der Region anruft, landet bei der Rettungsleitstelle in Trier. Und von dort wird die Hilfe organisiert. In den meisten der genannten Fällen rückt dann die Feuerwehr aus. In Trier ist in erster Linie die Berufsfeuerwehr dafür zuständig. Rund um die Uhr sind dort die Beamten im Dienst. Im ländlichen Raum ist der Feuerwehr-Job auch ein Amt - ein Ehrenamt. Wenn es hier brennt, werden die freiwilligen Feuerwehren alarmiert.

Und die gibt es nun seit mindestens 170 Jahren in Deutschland (siehe Hintergrund).
Sie sind immer schnell zur Stelle, manchmal werden die Freiwilligen gar als professioneller bezeichnet als manche Berufsfeuerwehr.

Aber das Feuerwehrwesen steht vor einer in Teilen unsicheren Zukunft. Die Menschen werden sich zwar weiterhin auf den Einsatz der freiwilligen Wehren verlassen können, aber vereinzelt bröckelt schon jetzt die Struktur.

Die Mitgliederzahlen der freiwilligen Feuerwehren sind derzeit weitgehend stabil. Aber es gibt gerade auf dem Land immer mehr ältere Menschen und immer weniger jüngere - die demografische Entwicklung macht sich in allen Vereinen und Verbänden bemerkbar: Fast überall fehlt der Nachwuchs, auch bei den Feuerwehren. Um dem entgegenzuwirken, sind in den vergangenen drei Jahrzehnten vermehrt Jugendfeuerwehren gegründet worden. Etwa 3300 Jugendliche werden dadurch derzeit in der Region an die Feuerwehrarbeit herangeführt - aber nur ein geringer Teil bleibt auch bei der Stange.
Problem: Wehrpflicht fällt weg

Eine weitere Personalquelle, die wegfällt: der Wehrersatzdienst, den viele junge Männer bei der Feuerwehr ableisteten. Durch die Aussetzung der Wehrpflicht rückt hier niemand nach.
Insgesamt werde alles darauf hinauslaufen, kleine Wehren, die nicht genug Personal zusammenbekommen, aufzulösen, heißt es vom Ministerium. Ob es sinnvoll ist, dass Feuerwehrleute bei einem Brand dann aus einem Ort erst mit dem Auto in den Nachbarort fahren müssen, um dort in ihre Einsatzkleidung zu springen und mit dem dort stationierten Feuerwehrfahrzeug wieder zurück in ihren Heimatort zum Brand fahren zu können? Grundsätzlich verneinen das sowohl Ministerium als auch die Kreisfeuerwehrinspekteure. Aber: Wenn eine Feuerwehr nicht genug Ehrenamtler hat, müsse man überlegen, ob es sich überhaupt rentiert, diese Wehr an dem Standort zu unterhalten. Eine Frage, die die jeweiligen Kommunen auch unter finanziellen Gesichtspunkten zu klären hätten.

Dort wo es heute schon knapp ist, greifen derzeit aber vor allem andere Konzepte: Zu Einsätzen werden immer gleich mehrere Feuerwehren alarmiert, damit auch sicher genügend Feuerwehrleute anrücken. Das ist oft auch nötig.

Denn zunehmend werden kleinere Orte zu reinen Wohn- und Schlafgemeinden. "Kaum einer arbeitet noch in diesen Orten", sagt Thomas Edringer, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Also sei tagsüber im schlimmsten Fall kein einziger Feuerwehrangehöriger in der Nähe. Ein Problem, dass sich häufen wird.In Deutschland ist am 17. Juli 1841 die erste freiwillige Feuerwehr nach heutigem Verständnis gegründet worden, und zwar in Meißen in Sachsen. Sie gilt offiziell als älteste freiwillige Feuerwehr Deutschlands. 1811 wurde allerdings im damals noch französischen Saarlouis dann die dortige Löschkompanie umorganisiert und erstmals freiwillig Rekrutierte als Löschkräfte eingesetzt. Diese militärisch organisierte Kompanie war auch bewaffnet. Zuvor, im 18. Jahrhundert, waren in Städten oft Menschen unter der Androhung von Strafen verpflichtet worden, im Brandfall zu helfen, vor allem Handwerker. sve

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