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Bund will deutschlandweit kleine Bahnstationen aufpeppen

Bund will deutschlandweit kleine Bahnstationen aufpeppen

Wenn sie überhaupt noch in Betrieb sind, sind sie oft marode, nicht überdacht und schon gar nicht behindertengerecht. Kleine Bahnstationen sind in vielen Gemeinden meistens ein Schandfleck. Das soll sich jetzt ändern.

Berlin. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will deutschlandweit die Haltestellen der Bahn auf Vordermann bringen. Nach Informationen unserer Zeitung sollen für die Modernisierungsoffensive von Bund, Ländern und Kommunen insgesamt 100 Millionen Euro ausgegeben werden. Im Verkehrsministerium geht man davon aus, dass je nach Kosten und Umfang einzelner Maßnahmen das Geld für die Sanierung von 200 bis 300 Stationen ausreichen könnte.
Gerade in ländlichen Regionen gibt es viele dieser kleinen Bahnhöfe, von wo aus am Tag weniger als 1000 Ein- und Aussteiger die Nahverkehrszüge nutzen. Mit der Modernisierung der Haltepunkte, die - wenn überhaupt - oft nur ein Wartehäuschen haben, soll vor allem alten und behinderten Menschen das Bahnfahren erleichtert werden. "Gerade im ländlichen Raum sorgen Nahverkehrszüge für notwendige Mobilität. Mit dem neuen Programm wollen wir den Zugang zu diesem Angebot entscheidend verbessern", so Dobrindt im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Bundesländer wurden inzwischen gebeten, bis zum Herbst geeignete Projekte zu benennen. Dann wird ausgewählt. Die vorgeschlagenen Stationen sollen innerhalb von drei Jahren bis spätestens 2018 umgebaut werden. Das heißt, sie werden aufgepeppt, es entstehen stufenfreie Bahnsteigzugänge oder optimierte Bahnsteighöhen. Davon haben dann alle etwas: Ältere Menschen mit Rollatoren, Bahnfahrer mit Gepäck oder Fahrrädern und Eltern mit Kinderwagen.
Bedarf auf dem flachen Land


Erwartet wird, dass vor allem die Bundesländer mit großen ländlichen Gebieten Bedarf anmelden. Allerdings müssen Länder und Kommunen sich an der Finanzierung beteiligen. Dobrindts Ressort stellt für das Sonderprogramm 50 Millionen Euro zur Verfügung und übernimmt damit anteilig die Hälfte der Kosten für die vorgeschlagenen Projekte. Die andere Hälfte sollen Länder und Kommunen tragen. Im Ministerium ist man zuversichtlich, dass das Gesamtvolumen des Programms am Ende bis zu 100 Millionen Euro betragen wird.
Bislang konzentrierte sich die Modernisierungsoffensive des Bundes als Eigentümer der Bahn auf größere Stationen, um möglichst viele Reisende zu erreichen. Insgesamt hat das Verkehrsressort dafür 400 Millionen Euro bereitgestellt. Außerdem stehen dem Konzern für den Umbau seiner Stationen bis 2019 rund eine Milliarde Euro aus der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung von Bund und Bahn (LuFV) zur Verfügung.
Von den rund 5400 Personenbahnhöfen in Deutschland sind laut Ministerium bereits 3900 barrierefrei und modernisiert.