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Bundesgartenschau 2011: Fast alles im grünen Bereich

Bundesgartenschau 2011: Fast alles im grünen Bereich

Nach fünfjähriger Planungs- und Bauzeit beginnt an diesem Freitag in Koblenz die erste rheinland-pfälzische Bundesgartenschau (Buga). Das Motto "Koblenz verwandelt" trifft den Nagel auf den Kopf: Die Stadt hat sich nachhaltig verändert.

Koblenz. Als er auf der Eröffnungs-Pressekonferenz gefragt wird, was aus seiner Sicht der Gradmesser für eine erfolgreiche Buga wäre, antwortet Chefplaner Stephan Lenzen (Bonn) ganz spontan: "Wenn ich in 30 Jahren wieder mal nach Koblenz komme und nicht aus der Stadt gejagt werde …" Solches Ungemach müssen der heute 43-jährige Landschaftsarchitekt und sein Co-Planer, Architekt Alexander von Canal, nicht fürchten. Schon jetzt sind ihnen die Koblenzer dankbar, weil sie ihre Stadt an ganz neuralgischen Punkten auf Vordermann gebracht haben.

Völlig neues Koblenz-Erlebnis



Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig formuliert es so: "Die Buga beschert ein völlig neues Koblenz-Erlebnis" und bezeichnet das Kurfürstliche Schloss, in dem die Konferenz stattfindet, als Symbol der Verwandlung. Der Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Prachtbau des letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen, zuletzt jahrzehntelang abgeschotteter Sitz von Bundesbehörden, ist innen und außen ein neuer Erlebnisraum für jedermann und aus der dahinter gelegenen "halben Müllhalde" (Hofmann-Göttig) ein blühender Garten geworden. "Eine exzellente Planung hat eine famose Umsetzung gefunden", meint das Stadtoberhaupt und erntet nicht einen Hauch von Widerspruch. Vorgänger Eberhard Schulte-Wissermann (seit 2010 in Ruhestand) hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. "Wir sind hier nicht mit offenen Armen empfangen worden. Es herrschte riesige Skepsis", erinnert sich auch Buga-GmbH-Chef Hanspeter Faas. Ursprünglich hatte sich Koblenz für die Ausrichtung der Buga 2013 oder 2015 beworben. Erfolglos. Dann zog Duisburg seine Zusage für 2011 zurück, Koblenz sprang ein - und mutierte daraufhin für Jahre zu einer Mega-Baustelle.

Die Leidenszeit ist vorbei, und die insgesamt mehr als 100 Millionen Euro, die die Buga kostet, sind offensichtlich gut angelegt. Auf schätzungsweise eine halbe Milliarde Euro summieren sich die Gesamtinvestitionen, die das Vehikel Buga ausgelöst hat. So beteiligt sich das Land Rheinland-Pfalz mit 49 Millionen an den Organisationskosten und legt noch einmal den gleichen Betrag für die Sanierung der Festung Ehrenbreitstein und Schloss Stolzenfels sowie weitere Begleitprojekte hin.

Erster Lohn der Mühen und baustellenbedingten Entbehrungen der vergangenen Jahre: Das Großereignis am Zusammenfluss von Rhein und Mosel dürfte an den 185 Ausstellungstagen mehr als zwei Millionen Besucher anziehen - dreimal so viel wie die Landesgartenschau 2004 in Trier. Die Koblenz-Touristiker erwarten 14 000 Reisebusse. Der Buga-Andrang lässt noch in einem Umkreis von 70 Kilometern die Hoteliers frohlocken, weil an manchen Wochenenden Koblenz bereits im Vorfeld komplett ausgebucht ist. Auch unter den Einheimischen herrscht nun Buga-Euphorie: Das Ziel, 36 000 Dauerkarten zu verkaufen, war bereits eine Woche vor Eröffnung erreicht.

Koblenz blüht auf, aber es ist nicht alles im "grünen Bereich". Der Schienenhaltepunkt Mitte sorgt für Ärger. Zwar wird der neue City-Bahnhof für täglich bis zu 150 Regionalzüge bis zum Buga-Start fertig, aber auch deutlich teurer als geplant. Statt der bei Baubeginn 2005 angepeilten rund zehn Millionen ist nun von 17,5 Millionen Euro und mehr die Rede. Auf die Kostenexplosion angesprochen, zeigt sich OB Hofmann-Göttig "nachhaltig sauer" - irgendwie auch ein Beitrag zum Thema "Buga 2011 und Nachhaltigkeit".

EXTRA: DREI AUSSTELLUNGSBEREICHE



Die Buga wartet mit drei Ausstellungsbereichen auf: Park und Garten des Kurfürstlichen Schlosses wurden in Anlehnung an die Pläne des preußischen Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné (1789-1866) neu angelegt. Der Blumenhof am Deutschen Eck gliedert sich in mehrere Gärten sowie einen Wasserspielplatz. In der Festung Ehrenbreitstein führen zuvor verschlossene Wege zu Gärten mit regionalen Themen; im Park erklären acht "Ausstellungszellen" Aspekte des Themas Biodiversität. Dazu kommen 2800 Quadratmeter Rosen.