1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Bundespräsident Christian Wulff sieht Fehler ein und bedauert

Bundespräsident Christian Wulff sieht Fehler ein und bedauert

In der Affäre von Bundespräsident Christian Wulff um einen verschwiegenen Kredit bei einer befreundeten Unternehmergattin hat das Staatsoberhaupt gestern einen Fehler eingeräumt.



Berlin. Mit zwei Tagen Verspätung hat Bundespräsident Wulff gestern die Worte gefunden, auf die viele Bürger gewartet hatten: "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das." Es wäre besser gewesen, fuhr Wulff fort, wenn er Anfang 2010 im niedersächsischen Landtag seinen laufenden privaten Kreditvertrag über 500 000 Euro mit Unternehmergattin Edith Geerkens erwähnt hätte.
Vorausgegangen waren in den vergangenen Tagen höchst kritische Pressekommentare. Auch viele Parlamentarier von CDU und FDP äußerten Zweifel, ob der Präsident so durch die Krise komme. Am Dienstag nämlich, als die Vorwürfe erstmals auftauchten, hatte Wulff noch seinen Sprecher Olaf Glaeseker erklären lassen, dass er im niedersächsischen Landtag damals ja nur nach Geschäftsbeziehungen zu Unternehmer Egon Geerkens gefragt worden sei, nicht nach solchen mit der Ehefrau. Die Opposition schoss sich auf diese "Haarspalterei" ein. Auch Kanzlerin Angela Merkel war offenbar nicht zufrieden. Mittwochfrüh telefonierte sie mit Wulff und forderte ihn dabei angeblich auf, deutlicher Stellung zu nehmen, und zwar persönlich, und das möglichst bald.
Gestern um 14.42 Uhr war es so weit. Zwar betonte Wulff in seiner Pressemitteilung immer noch, dass er damals vor dem Landtag nicht gelogen habe. Er verstehe jedoch das Interesse der Öffentlichkeit. Deshalb werde er alle Unterlagen über seinen damaligen Kreditvertrag und weitere Papiere bei einem Anwaltsbüro hinterlegen, wo interessierte Medien sie einsehen könnten. In der Berliner Koalition konnte man ein deutliches Aufatmen hören. Die Erklärung des Bundespräsidenten verdiene Anerkennung und Respekt, hieß es aus den Fraktionen von CDU, SPD und Grünen.
Ganz vorbei ist die Affäre aber dennoch nicht. In Hannover will die SPD von der Staatskanzlei Aufklärung über alle Urlaube des einstigen Landeschefs zwischen 2003 und 2010 haben. Die Kreditaffäre war nämlich hochgekommen, weil Wulff zu Weihnachten 2009 mit seiner Familie gratis Urlaub in der Villa seines Freundes Geerkens in Florida gemacht hatte, und Airberlin ihn dabei auf dem Hin- und Rückflug ohne Zusatzkosten in die erste Klasse hochstufte. "Auch damals zeigte sich Herr Wulff einsichtig und zerknirscht", sagte Niedersachsens SPD-Fraktionschef Stefan Schostok. kol