Bundesrat will Jugendliche vor Dampfgefahren schützen

Bundesrat will Jugendliche vor Dampfgefahren schützen

Sie sind trendy und vor allem bei Jugendlichen beliebt: die elektrischen Zigaretten und elektrischen Wasserpfeifen (Shishas). Experten und der zuständige Ernährungsminister Schmidt warnen vor den Gefahren.

Berlin. Das Dampfen mittels elektrischen Zigaretten und Shishas birgt nach Ansicht vieler Experten gesundheitliche Risiken. Der Bundesrat will nach Informationen unserer Zeitung daher jetzt möglichst rasch Lücken im Jugendschutzgesetz schließen, um das E-Zigaretten- und Shi-sha-Rauchen für Kinder und Jugendliche verbieten zu können. Beim zuständigen Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) laufen die Länder offene Türen ein.
Allein die E-Zigarette ist ein enormer Wachstumsmarkt. Nach Brancheninformationen hat sich der Umsatz in den vergangenen vier Jahren mehr als verzwanzigfacht. Laut einer EU-Erhebung wurden im Januar 466 Marken im Internet angeboten, fast 7800 Geschmacksrichtungen waren erhältlich, darunter Tabak, Menthol oder Alkohol.
Für E-Zigaretten oder E-Shishas gibt es aber auch sogenannte Liquids wie Gummibärchen, Keks oder Schokolade, die zu einem feinen Nebel verdampfen, der dann inhaliert wird. Mit solchen Geschmacksrichtungen werden gezielt Jugendliche angesprochen.

Länder drücken aufs Tempo


Der Bundesrat drückt nun bei einem Verbot für Jugendliche und Kinder aufs Tempo. So hat der Freistaat Thüringen einen Entschließungsantrag in die Länderkammer eingebracht, wonach die bestehenden Regelungen zum Jugendschutz überprüft und geändert werden sollen. In dem Papier, dass der Bundesrat heute beraten soll, heißt es unter anderem zur Begründung, das "Nervengift Nikotin" sei in nahezu jedem Liquid "und meist in höheren Dosen enthalten als auf der Verpackung angegeben". Die Produkte würden insbesondere gegenüber Kindern verharmlost. Auch drohe damit der Einstieg in das klassische Rauchen.
Die gegenwärtige Rechtslage sei unklar, bemängelt der Freistaat. Das heißt, es ist nicht eindeutig, ob es sich bei der Nutzung von E-Zigaretten und E-Shishas um Rauchen handelt, was für unter 18-Jährige verboten ist. Der Freistaat will das nun in den Jugendschutz- und den Nichtraucherschutzvorschriften klarstellen und damit ein Verbot für Jugendliche erwirken. Das ist auch im Sinne der Bundesregierung. Der zuständig Minister Christian Schmidt betont gegenüber unserer Zeitung, er habe das Bundesinstitut für Risikobewertung um eine gesundheitliche Analyse auch von E-Shishas gebeten. Das Ergebnis sei deutlich: "Neben der hohen Giftigkeit und dem Suchtpotenzial von Nikotin können auch bei nikotinfreien Shishas gesundheitliche Risiken entstehen, etwa durch Verdampfungsmittel, Aromen, Zusätze oder gar krebserregendes Formaldehyd." Daher seien Altersbeschränkungen für nikotinhaltige und nikotinfreie Verdampfer dringend erforderlich. Auch müssten bestehende Gesetzeslücken schnellstmöglich geschlossen werden, "um den Vertrieb an Kinder und Jugendliche zu unterbinden".Extra

Der Deutsche Kinderschutzbund hat ein Verbot für den Erwerb von E-Shishas durch Kinder gefordert. Die Auswirkungen des E-Shi-sha-Rauchens und die Folgen für die Gesundheit seien nicht absehbar, erklärte der Bundesverband in Berlin. Zugleich müssten Eltern für die Problematik sensibilisiert werden. Vizepräsident Christian Zainhofer sagte, die coole E-Shisha, die jemand auf dem Spielplatz vor seinen Freunden rauche, könne einen Weg zu psychischen Abhängigkeiten und den Einstieg in den Konsum von Zigaretten, Joints oder richtigen Shi-shas vorbereiten. Das müsse verhindert werden. KNA