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Bundesregierung: Frauen immer noch benachteiligt

Bundesregierung: Frauen immer noch benachteiligt

Trotz Fortschritten haben Männer in vielen Lebensbereichen weiterhin Vorteile. Das geht aus dem aktuellen Gleichstellungsbericht hervor.

Das Fazit klingt etwas gestelzt, aber doch ernüchternd: "Die statistisch nachweisbaren Unterschiede in der Lebensrealität von Frauen und Männern sind ein Indiz dafür, dass Gleichstellung im Sinne verwirklichter Lebensplanungen noch nicht erreicht ist". Das schreibt die Bunderegierung in ihrer Bewertung zu einem bereits Anfang März veröffentlichten Experten-Gutachten über dieses Thema. Beide Vorlagen bilden den aktuellen Gleichstellungsbericht. Die neue Familienministerin Katarina Barley wurde am Mittwoch deutlicher: "Bei der Verteilung von Belastungen und Chancen zwischen den Geschlechtern geht es in unserer Gesellschaft immer noch ungerecht zu", meinte die SPD-Politikerin.

Insbesondere bei Löhnen, Renten, aber auch Pflege- und Hausarbeit klaffen zum Teil noch erhebliche Lücken:
UNBEZAHLTE ARBEIT: Erstmals wurde ein sogenannter Gender Care Gap ermittelt. Gemeint ist der Unterschied beim täglichen Zeitaufwand der Geschlechter für "unbezahlte Sorgearbeit". Darunter fallen Hausarbeit, Gartenpflege, Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen sowie ehrenamtliches Engagement.
Ergebnis: Frauen üben im Schnitt etwa eineinhalb Mal so viel unbezahlte Sorgearbeit aus wie Männer. Das macht täglich eine Stunde und 27 Minuten mehr.

LÖHNE: Die Bruttoverdienste von Frauen sind im Schnitt 21 Prozent niedriger als die der Männer. Dabei spielt die geschlechtsspezifische Berufswahl eine Rolle, eine geringere Präsenz von Frauen in Führungspositionen, aber natürlich die familienbedingte Erwerbsunterbrechung.
Doch auch bei formal gleicher Qualifikation im gleichen Beruf beträgt die Lohnlücke immer noch sechs Prozent zuungunsten der Frauen.

QUALIFIZIERUNG: An der betrieblichen Weiterbildung partizipieren Männer stärker als Frauen. Gleichwohl: Beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nach einer Unterbrechung von mindestens drei Jahren (etwa durch eine Babypause) bekommen 30 bis 40 Prozent der Frauen nur Stellen, für die sie formal überqualifiziert sind.

RENTE: Durchschnittlich niedrigere Löhne und kürzere Erwerbszeiten führen auch zu deutlich niedrigeren Renten. So kommen männliche Ruheständler in den alten Bundesländern im Schnitt auf eine Rente von 1014 Euro im Monat (im Osten 973 Euro).
Bei den Frauen im Westen sind es dagegen nur 583 Euro (im Osten 860 Euro).

INSGESAMT: "Frauen arbeiten oft mehr und bekommen dafür weniger", kritisierte Barley. Um mehr Gleichstellung zu erreichen, brauche es eine bessere Unterstützung von Familien. Allerdings seien hier auch schon "wichtige Impulse" gesetzt worden. Als Beispiele nannte die Familienministerin den Ausbau der Kinderbetreuung sowie das Elterngeld. Nach wie vor hapere es aber an der Aufwertung von sozialen Berufen, so Barley.

Dieses Thema treibt auch ihre Kabinettskollegin, Arbeitsministerin Andrea Nahles, um. Die SPD-Politikerin drängt schon seit längerer Zeit auf einen "Tarifvertrag Soziales" für Altenpfleger und andere Sozialberufe, den die Tarifpartner aushandeln müssten. Erstmals wurde ein regierungsoffizieller Gleichstellungsbericht im Jahr 2011 veröffentlicht.
Er soll klären, wo Deutschland bei der im Grundgesetz geforderten Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf Bildung und Erwerbsleben steht.