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Bundesregierung ist sich keiner Schuld bewusst: Gefährliche Fracht für Cattenom geht durch Deutschland

Bundesregierung ist sich keiner Schuld bewusst: Gefährliche Fracht für Cattenom geht durch Deutschland

Nicht nur nach Belgien werden Brennelemente über Deutschland geliefert. Auch nach Frankreich rollen die Transporte.

Die Bundesregierung ist sich keiner Schuld bewusst. Die Lieferung von Brennelementen für die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel (der TV berichtete) seien "losgelöst von der Frage der Sicherheit des Betriebes eines ausländischen Atomkraftwerks zu betrachten", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold (SPD) im Bundestag. Bei den Voraussetzungen für eine Genehmigung gehe es laut Atomgesetz lediglich um "den Schutz vor einer missbräuchlichen Verwendung von Kernbrennstoffen". Die Bundesumweltministerin Barbara Hendriks (SPD) hat sich für das Abschalten der Anlage von Tihange ausgesprochen, weil es immer wieder zu Pannen kommt. Unter anderem wurden in einem Reaktorbehälter Tausende Haarrisse festgestellt.

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) hat seit Juni vergangen Jahres insgesamt 17 Transporte von Brennelementen vom Hersteller ANF im niedersächsischen Lingen genehmigt. Laut der Liste der Beförderungsgenehmigungen des BfE, die unserer Zeitung vorliegt, ging der jüngste Transport am 14. März nach Belgien. Bis 30. April 2018 sind insgesamt 50 Brennelemente-Transporte von Lingen nach Tihange und Doel genehmigt. Brennelemente sind Bestandteile des Kernreaktors. Sie enthalten den Kernbrennstoff, zumeist Uranoxid.

Aber nicht nur nach Belgien gehen solche Transporte. Auch nach Frankreich und zwar unter anderem nach Cattenom. Maximal 60 Lieferungen sind seit April 2015 bis einschließlich heute durch das BfE genehmigt worden. Mindestens ein Transport ging seitdem nach Cattenom. Anders wie im Fall der belgischen Atomkraftwerke stammen die Brennelemente für die französischen Anlagen alle von dem schwedischen Hersteller Westinghouse. Per Schiff werden die unbestrahlten Brennelemente von Västerås vermutlich bis Hamburg transportiert und von dort aus per LKW quer durch Deutschland nach Frankreich. Einige davon dürften auch durch Rheinland-Pfalz gegangen sein.

Wie viele exakt, konnte das rheinland-pfälzische Innenministerium auf TV-Anfrage gestern nicht mitteilen. Rheinland-Pfalz fordert gemeinsam mit Luxemburg und dem Saarland seit Jahren, das Atomkraftwerk Cattenom abzuschalten. Immer wieder kommt es auch dort zu Pannen. Seitdem die Anlage 1986 ans Netz ging, wurden über 800 Zwischenfälle bekannt. Erst kürzlich hat die Bundesregierung auf eine Bundestagsanfrage der Grünen eingeräumt, dass es in Cattenom gravierende Sicherheitsmängel gibt (der TV berichtete). Daneben wird regelmäßig auch angereichertes Uran etwa von dem westfälischen Gronau nach Cattenom geliefert. Laut einer Antwort des nordrhein-westfälischen Energieministeriums auf eine Anfrage der Piraten-Partei wurde im vergangenen Jahr 29 Mal Uranhexafluorid per LKW von Gronau nach Frankreich transportiert.

Genaue Angaben zu den Zielen macht das Ministerium nicht. 2014 gingen laut rheinland-pfälzischem Innenministerium 34 solcher Transporte durch Rheinland-Pfalz. Die genauen Routen sind offiziell geheim. Doch der TV hat schon mehrmals berichtet, dass die Fahrten durch die Region gehen.