Chance verspielt

Die jetzt in Washington im Detail bekannt gewordenen Vorgänge um den Rücktritt - man kann es auch Rauswurf nennen - von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sind ein deutliches Indiz dafür, dass US-Präsident George W. Bush entweder seinen politischen Instinkt völlig verloren hat oder schlichtweg einmal mehr schlecht beraten war.

Zum einen hat Bush, wie er jetzt kleinlaut einräumte, die Medienvertreter und damit auch die Wähler belogen, als er noch letzte Woche versicherte, Rumsfeld bleibe zwei weitere Jahre im Amt. Dabei war zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung eines Personalaustausches längst gefallen - es fehlten lediglich die, wie es so schön heißt, abschließenden Gespräche. Zwar könnte man Bush anrechnen, dass er diesen Schwindel jetzt offen zugibt- doch zu viele Insider waren offenbar bereits in die Beratungen einbezogen, als dass sich eine Vertuschung lohnte. Doch das vom Präsidenten angeführte Hauptmotiv des Schweigens - er habe nicht gewollt, dass dieses wichtige Thema in der Endphase des Wahlkampfs hochkoche - überzeugt nicht. Die Wähler haben die Republikaner deshalb so harsch abgestraft, weil sie das Irak-Engagement in einer Sackgasse sehen und statt Ansätzen eines Umdenkens im Weißen Haus nur stets dieselben Durchhalte-Parolen gehört haben. Eine Trennung von Rumsfeld - dessen Ruf ohnehin schon lange im In- und Ausland ruiniert war - hätte jedoch notfalls noch am Morgen der Wahl demonstrieren können, dass man doch nicht völlig unbeweglich ist. Diese einmalige Chance hat ein entscheidungsschwacher George W. Bush vertan - und damit möglicherweise auch die Möglichkeit verspielt, den Republikanern einen Rest von Einfluss zu retten. nachrichten.red@volksfreund.de