"Chef, wo ist mein Bus?"

Reisebusse sind die bevorzugten Objekte eines dreisten Diebes, der derzeit in der Großregion für Aufregung sorgt. Am vergangenen Montag hat er in Trierweiler (Trier-Saarburg) offenbar wieder zugeschlagen.

Trierweiler. Ralf Müller ist außer sich. "Der kann doch nicht mehr ganz normal sein", ereifert sich der 39-jährige Firmenchef. Zum ersten Mal in der 79-jährigen Firmengeschichte ist dem Trierer Unternehmen ein Bus gestohlen worden. Warum der Täter ausgerechnet einen 18-Tonner-Doppeldecker-Bus gestohlen hat, kann der Unternehmer nicht begreifen. "Was will der damit?" fragt sich Müller. Am Montagmorgen um sechs Uhr ist Müller von einem seiner Fahrer aus dem Bett geklingelt worden: "Chef, wo ist mein Bus?" Der zwei Jahre alte Bus des Herstellers Neoplan ist verschwunden. Eigentlich hätte das fast 14 Meter lange und fast 500 PS starke Gefährt an dem Morgen über 70 Reisende zu einem sechstägigen Aufenthalt nach Berlin bringen sollen. "Ich wollte das gar nicht glauben. Wer klaut schon einen Reisebus von einem Betriebsgelände?", sagt Müller. Erst kürzlich ist im baden-württembergischen Konstanz eine Bande verurteilt worden, die innerhalb von zwei Jahren 14 hochwertige Reisebusse gestohlen und in den Osten verschoben hat. Das scheint bei dem Täter von Trierweiler allerdings nicht das Motiv zu sein. Er lässt seine gestohlenen Gefährte nämlich einfach dort stehen, wo er das nächste stiehlt. So steht statt des 250 000 Euro teuren Luxus-Busses seit Montagmorgen ein gestohlener Reisebus eines französischen Unternehmens auf dem Gelände in Trierweiler. Mit dem ist der Täter, vermutlich ein 47-jähriger, polizeibekannter Verbrecher, Montagnacht in Trierweiler vorgefahren und hat einen Mitarbeiter gefragt, ob er bis zur Abfahrt am Morgen in Trier in seinem Bus übernachten dürfe. "Der soll einen absolut vertrauenserweckenden Eindruck gemacht haben und super nett gewesen sein", sagt Müller, der allerdings zugibt, dass es "ganz, ganz selten" vorkomme, dass fremde Fahrer ihre Busse auf dem Firmengelände abstellen und auch dort ihre Ruhezeiten machten.Immer die gleiche Masche

 IMG_1030.JPG-G211LQJGR.1.jpg
IMG_1030.JPG-G211LQJGR.1.jpg
 MuÃŒr_KY_95_I-G211LQJIT.1.jpg
MuÃŒr_KY_95_I-G211LQJIT.1.jpg

Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem Täter um den seit Wochen gesuchten Hans-Peter T. handelt. Der 47-Jährige ist im Juli nach 14 Jahren Haft wegen Diebstahls, Raubes und Gewalttaten aus dem Saarbrücker Gefängnis entlassen worden. Kurz danach soll er in Kaiserslautern einem Hotelier den Wagen und eine Woche später in Zweibrücken einen Sattelschlepper gestohlen haben. Die Zugmaschine hat er am 1. September im französischen Besançon zurückgelassen, vom Auflieger fehlt seitdem jede Spur. In Besançon soll T. dann einen Reisebus gestohlen haben, mit dem er dann bis in die Niederlande gefahren sein soll. Bis zum Abend des 21. September hat es keine Spur mehr von T. gegeben. Am vorigen Freitag ist der 47-Jährige offensichtlich mit dem in Frankreich gestohlenen Bus vor dem Gelände eines Busunternehmers im saarländischen Blieskastel vorgefahren, hat einen Mitarbeiter gefragt, ob er dort parken und übernachten dürfe. Als er allein war, ist er durch ein Rolltor in die Firmenräume eingedrungen, hat den Schlüssel eines neuwertigen Kleinbusses gestohlen und damit seine Flucht fortgesetzt - das gleiche Muster wie beim Diebstahl des Doppeldecker-Busses in Trierweiler. Offensichtlich hat der als gewalttätig geltende Mann seine Diebestour nach dem Busklau im Saarland fortgesetzt und erneut irgendwo einen französischen Bus gestohlen. Bislang ist dessen Herkunft aber unklar. Warum der Verdächtige immer wieder Busse entwendet und diese irgendwo abstellt, können sich die Fahnder nicht erklären. Doch für Firmenchef Müller besteht dadurch Hoffnung: "Ich hoffe, dass demnächst unser Bus irgendwo steht." Der Gesuchte ist 47 Jahre alt, 1,83 Meter groß, er hat grau-blaue Augen und Tätotwierungen an beiden Oberarmen. Hinweise an die Kripo Trier, 0651/2019253 oder 97792290, oder an jede andere Polizeidienststelle.