Damen-Power im Netzwerk

BERLIN. Für "Quotenfrauen" hat heute kaum noch jemand Verständnis. Für den beruflichen Erfolg empfehlen Experten den Frauen heute: Bildet Netzwerke!

Es gibt sie, die Karrierefrauen: Susanne Birkenstock zum Beispiel, die erfolgreiche Unternehmerin; Beatrice Weder Di Mauro, eine von wenigen Wirtschaftsprofessorinnen in Deutschland und einzige Frau im Sachverständigenrat; oder Susanne Porsche, eine überaus erfolgreiche Film- und Fernsehproduzentin. Von Ministerinnen wie Ulla Schmidt (Gesundheit), Brigitte Zypries (Justiz) oder Edelgard Bulmahn (Bildung) ganz zu schweigen. Sie alle sind dort gelandet, wo jedoch auch heute noch die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen gar nicht erst hinkommen: in Führungspositionen. Deutschlands geballte Frauenpower will deshalb anderen die Türen öffnen - und startete dazu gestern in Berlin, am internationalen Frauentag, die Initiative " www.frauenmachenkarriere.de“. Wenn Ulla Schmidt ihrer Tochter heute erzählt, "dass ich ohne Quote nicht da wäre, wo ich jetzt bin", wird sie von ihrem eigenen Nachwuchs als "Quotenfrau" belächelt. "Ihre Generation hat dafür kein Verständnis mehr", meinte Schmidt anlässlich des Startschusses für das neue Internet-Portal, das den Frauen Hilfe beim Einstieg und Aufstieg im Arbeitsleben sowie Kontakte anbieten soll. Stets, so Schmidt weiter, müsse sie dann klarstellen, dass Quote nichts mit mangelnder Qualifikation zu tun habe. Ohnehin, so gestern der einhellige Tenor der versammelten Managerinnen, Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen, müssen Frauen immer noch viel erklären und aushalten, wenn sie Karriere machen und Familien und Beruf vereinbaren wollen. "Das größte Hindernis sind nach wie vor die Vorurteile", meinte die Wissenschaftlerin Sonja Bischoff, die sich in verschiedenen Studien mit dem Thema "Männer und Frauen in Führungspositionen" beschäftigt hat. Mancher Mann würde gleich nach dem "Männerbeauftragten" rufen, wenn in einem Unternehmen eine Frau den Aufstieg probe, hieß es. "Dabei haben wir die best ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten", ergänzte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen Kefer. "Sie müssen sich aber endlich befreien vom gesellschaftlichen Zwang, sich nur in frauentypischen Berufen beweisen zu wollen." Leichter gesagt als getan. Fünf Ministerinnen kamen gestern zu dem Treffen, und alle waren stolz darauf, dass in ihrem Bereich Frauenförderung groß geschrieben wird: "1998 hatten wir in meinem Ministerium acht Prozent Frauen in Führungspositionen, heute sind es 25 Prozent", so Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul stellvertretend für die anderen. Aber alle Ministerinnen beklagten auch, dass sich in ihren Fachgebieten zuwenig Frauen in Führungspositionen befinden, ob in den obersten Gerichten (Zypries) in den Chefetagen der Krankenhäuser und Krankenkassen (Schmidt) oder in den Universitäten (Bulmahn). Frauen, die Erfolg hätten, seien daher "verpflichtet", anderen zu helfen, meinte eine Teilnehmerin bei der Veranstaltung. Zumal sie sich selbst oft nicht genug zutrauten. Damit brachte sie den Sinn der neuen Internetseite auf den Punkt: Dort erhalten Frauen Infos zu Rechtsfragen, zu Kinderbetreuung und beruflichen Perspektiven. Geordnet nach Regionen können sie in der so genannten Mentoring-Börse Ansprechpartner und -partnerinnen finden, die ihnen dann beruflich auf die Sprünge helfen wollen. Nach der Quote soll somit das "Netzwerk" ein neuer Schlüssel für die berufliche Gleichberechtigung und den Aufstieg im Job werden.

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