"Das Amt gibt Kraft"

MAINZ. Minister-Amt, Abgeordneten-Mandat und Trierer SPD-Chefin: Malu Dreyer ist auf vielen Feldern engagiert. Daran soll auch ihre Erkrankung an Multipler Sklerose (MS) künftig möglichst nichts ändern, hat sie sich vorgenommen. Die Arbeit gibt ihr positive Energie.

Manchmal werden die Schritte schwer - und Treppen zu hohen Hürden. Doch die freundlichen Gesichtszüge bleiben, wenn sich Malu Dreyer sichtbar müht - und zuweilen auch auf Hilfe angewiesen ist. Was jedoch seit Wochen in der Landeshauptstadt und am Wohnort Trier zunimmt, sind die Fragen nach den Beschwerden, die offensichtlich die Ministerin plagen. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Oberbürgermeister-Wahlkampf ihres Ehemanns Klaus Jensen in Trier sieht die Chefin des rheinland-pfälzischen Sozial- und Gesundheitsressorts nun die Zeit gekommen, um öffentlich Antwort zu geben auf das meist nur durch fragende Blicke dokumentierte Rätseln.Als Ministerin irgendwann einmal im Rollstuhl?

Seit fast 15 Jahren ist die 45-jährige Juristin an Multipler Sklerose erkrankt. Ein Schicksal, das sie mit rund 6000 Menschen in Rheinland-Pfalz und mehr als 100 000 bundesweit teilt. Die entzündliche Nervenschädigung verhindert die Weitergabe von Informationen und stört damit die Steuerung von Muskeln (siehe Stichwort). Bei Dreyer nimmt die Krankheit als "primär chronisch progredient" einen nach ihren Angaben noch "eigentlich guten Verlauf". MS tritt mit ihren vielen unterschiedlichen Gesichtern in neun von zehn Fällen in Schüben auf. Im konkreten Fall - bei Malu Dreyer - entwickelt sie sich schleichend. Die Beeinträchtigungen der Mobilität haben in den vergangenen Monaten zwar zugenommen, doch das Krankheitsbild hat sich laut Dreyer objektiv über Jahre so gut wie nicht verschlechtert. Im Amt fühlt sich die 2002 ins Kabinett berufene frühere Mainzer Sozialdezernentin daher trotz des einen oder anderen Problems mit dem Gehen oder Treppensteigen nicht eingeschränkt. Sie ist "optimistisch für die Zukunft", auch wenn sie sich nach eigenem Bekunden an den Gedanken gewöhnt hat, möglicherweise irgendwann einmal ihr Amt vom Rollstuhl aus wahrzunehmen. "Das Amt gibt mir positive Kraft", betont Dreyer, die seit Monaten als Mitglied der Berliner Koalitionsarbeitsgruppe zur Gesundheitsreform gleich doppelt gefordert ist. Mit ihrer Erkrankung offensiv umzugehen und den Weg in die Öffentlichkeit zu suchen, ist ihre Art, möglichst stressfrei zu leben und positive Belastung im Job als Bestätigung zu empfinden. Für jeden MS-Kranken ist es nach ihrer Überzeugung eine Lebensaufgabe, seine richtige Balance zu finden und möglichst - wie sie - "ein sehr, sehr glückliches Leben" zu führen. Dass Dreyer als Gesundheitsministerin und Betroffene ein besonderes Gespür im Amt entwickelt, liegt nahe. Davon abgesehen kommt auch ihr langjähriger Einsatz für Barrierefreiheit aus tiefster innerer Überzeugung.