Das Comeback des Pfarrers

BERLIN. Himmlischer Beistand für CDU-Chefin Angela Merkel? Der Pfarrer und Ex-Generalsekretär Peter Hintze soll Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU werden.

Spötter würden sagen, die CDU-Partei- und -Fraktionsvorsitzende Angela Merkel brauche himmlischen Beistand, um wieder in höhere Sphären der Wählergunst gelangen zu können. Deshalb werde sie vermutlich den gelernten Pfarrer Peter Hintze als Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion vorschlagen. Tatsächlich benötigt Merkel eine respektable Persönlichkeit auf diesem Stuhl, nachdem Amtsinhaber Volker Kauder als Nachfolger des zurückgetretenen CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer in die Parteizentrale wechselt. Die Spatzen pfeifen von den Dächern des Konrad-Adenauer-Hauses, dass sich Merkel für den evangelischen Theologen Hintze entscheiden wird. Offiziell soll der neue Fraktionsmanager am 18. Januar auf der ersten Fraktionssitzung in diesem Jahr gekürt werden. Es wäre ein Comeback der besonderen Art, denn der 52-jährige Abgeordnete, der seit 1990 im Bundestag sitzt, gehörte zu jenen Jüngern des CDU-Patriarchen Helmut Kohl, deren politische Karriere nach dem Abgang Kohls beendet schienen. Von 1992 bis 1998 hatte er ihm als Generalsekretär gedient und galt als treuer Diener seines Herrn. Hintzes Name ist mit der "Rote-Socken-Kampagne" verbunden, mit der die Union die regionale Zusammenarbeit von SPD und PDS in Ostdeutschland schmähte. Ansonsten fiel Hintze als stets freundlicher Schnellsprecher auf, der auf alle Fragen eine (lange) Antwort hatte. Nach dem Regierungswechsel wurde es still um ihn, bis im Dezember 1999 publik wurde, dass der Großverdiener keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt hatte. Die Schlagzeilen verliefen im Sande, als Rechtsexperten meinten, Hintze sei aufgrund seines ruhenden Beamtenverhältnisses nicht dazu verpflichtet gewesen. Heute ist der Christdemokrat europapolitischer Sprecher seiner Fraktion. Was die wenigsten wissen: Er gehört auch zum engeren Kreis der CDU-Vorsitzenden Merkel. Insofern wäre seine Berufung zum Fraktionsmanager keine Überraschung. Eher eine Offenbarung, dass die Personaldecke der CDU dünn ist.