Das Ende des Kriegstanzes

Das große Discosterben wird es wohl nicht geben: Die Verwertungsgesellschaft Gema und Musikveranstalter haben sich nach einem Verhandlungsmarathon auf neue Tarife geeinigt. Eine Preiserhöhung sei für Club- und Kneipenbesucher nicht zu erwarten. In der Region Trier gibt es aber auch kritische Stimmen.

Berlin/Trier. Für Clubbetreiber war es ein Horrorszenario: Die von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) beabsichtigte Tarifreform wäre für sie teuer geworden. Richtig teuer: Mancher fürchtete eine Verzehnfachung der Abgaben an die Gema. Veranstalter gingen auf die Barrikaden - und fanden Unterstützung von vielen Clubgängern, die ein Discosterben oder zumindest deutlich steigende Preise befürchteten.
Der Streit um die Vergütung von Musik in Clubs und Kneipen, aber auch bei Festen, ist nun vom Tisch. Die dem Gaststättenverband Dehoga angeschlossene Bundesvereinigung der Musikveranstalter haben sich auf neue Tarife geeinigt. Diese sind linear angelegt. Das bedeutet: Je größer die Fläche und je höher die Eintrittsgelder, desto mehr muss an die Verwertungsgesellschaft abgegeben werden.
"Nach vielen Monaten voller Ungewissheit und Existenzängsten, besteht endlich Rechts- und Planungssicherheit für tausende Musiknutzer", sagt Ernst Fischer, zugleich Vorsitzender der Bundesvereinigung der Musikveranstalter und Präsident des Dehoga-Bundesverbandes. Die Tariferhöhungen wurden auf acht Jahre gestreckt - erst nach und nach steigen damit die Abgaben. Einzelveranstaltungen könnten zudem entlastet werden. Das gilt vor allem bei Veranstaltungen mit niedrigen Eintrittspreisen. Die Gema hatte ihre umstrittene Tarifreform zuvor unter anderem damit begründet, den "Tarif dschungel" lichten zu wollen. Discobetreiber profitierten zudem über viele Jahre von vergleichsweise günstigen Pauschalabgaben.
Die neuen Vereinbarungen führen nun überwiegend zu moderaten Steigerungen. "Da wir sehr vertretbare Erhöhungen, teilweise auch Entlastungen erreicht haben, gehe ich nicht davon aus, dass der Gast davon betroffen sein wird", sagt Stephan Büttner, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Musikveranstalter. Reine Konzerte sind von der Tarifreform nicht betroffen, weil für sie ein eigenständiger Tarif gilt.
Wie sieht es in der Region aus?


Clubbetreiber Andy B. Jones (Safari Haus Trier) kann noch nicht exakt beziffern, wie sich die Tarifreform für ihn auswirken wird. "Ich hatte kürzlich noch Kontakt zu meiner Gema-Betreuerin, aber sie konnte mir das auch noch nicht sagen", sagt der Trierer: "Fakt ist, dass wir als Clubbetreiber schon jetzt am Limit sind. 500 bis 800 Euro pro Monat sind für einen Club mit 300 Personen Fassungsvermögen schon seit Jahren üblich. Das ist schon eine Menge." Er sieht vor allem Reformbedarf bei der Struktur der Gema. "Sie ist in dieser Form nicht zeitgemäß. Ich selbst bin als Produzent auch Gema-Mitglied. Und da kommt nichts oder kaum etwas zurück - trotz Fernsehauftritten und Präsenz im Radio."
Ron Simon vom Riez-Team in Olkenbach-Bausendorf (Kreis Bernkastel-Kues) vermisst bei der Gema die Transparenz: "In der Riez waren mittlerweile so viele große als auch kleine Bands aus dem In- und Ausland, von der Schülerband bis zu Hauptberuflern, doch die Gema kennen alle nur als Zahler. Was passiert also mit der Kohle? Die Frage bleibt weiterhin offen."
Beim Bündnis "kultur-retten", das sich mit einer Petition gegen die Tarifpläne der Gema stark gemacht hatte, sieht man die Einigung kritisch. Sprecher Michael Beyer sieht in den Einführungsrabatten "eine schleichendeVergiftung der Kultur": Kulturell wertvolle, aber wirtschaftlich nicht immer sinnvolle Nischen würden als erstes zerbrechen. Die Kultur werde zunehmend kommerzialisiert. AF/dpa