Das Holzkreuz im Rücken

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bereitet ein Kruzifix in ihrem Ministerium Ärger. Die Linksfraktion forderte die CSU-Politikerin auf, das Holzkreuz im Besucherraum des Ministeriums wieder abzunehmen.

Berlin. Bei einer Veranstaltung des Bauernbunds in Rangsdorf nahe Berlin soll Verbraucherministerin Ilse Aigner laut Teilnehmern kürzlich gesagt haben: "Was hängt, das hängt." Gemeint war ein Kruzifix, das der CSU-Frau derzeit einigen Ärger bereitet. Die Opposition will die Angelegenheit jetzt sogar parlamentarisch behandeln.
Man schreibt den 7. November 2012, als eine hessische Besuchergruppe auf Einladung eines grünen Bundestagsabgeordneten die Gelegenheit erhält, sich über die Arbeit von Aigners Ministerium informieren zu lassen. Der Vortrag findet im Besucherraum des Ministeriums statt, und dort hängt es an einer hinteren Wand, im Rücken der Gäste: ein schlichtes, 30 Zentimeter hohes Holzkreuz. Ende November flattert Ilse Aigner, römisch-katholisch und bayerisch-konservativ, ein Brief auf den Schreibtisch. Er stammt von zwei Frauen, die an dem Besuch teilgenommen haben. Die Ministerin liest und staunt.
"Mit Verwunderung" habe man festgestellt, dass in dem öffentlichen Raum ein "den christlichen Glauben symbolisierendes Kreuz aufgehängt war". Das widerspreche der klaren Trennung von Staat und Kirche, bemängeln die Frauen. "Wir möchten Sie daher nachdrücklich darum bitten, dafür Sorge zu tragen, dass das Kreuz aus dem Raum entfernt wird." In diesem Zusammenhang muss man wissen: 2010 wurde der Ministeriums-Neubau mit dem Besucherzentrum im Erdgeschoss mit kirchlichen Weihen eröffnet - und Aigner ließ das Holzkreuz aufhängen.
Schon damals erregte dies einige Gemüter. So wollte die Linke per Anfrage wissen, inwieweit es üblich sei, neue Gebäude von Bundesbehörden mit Weihen, Einsegnungen und einem dauerhaft angebrachten Holzkreuz zu eröffnen. In schönstem Technokratendeutsch fiel damals die Antwort des Innenstaatssekretärs Ole Schröder (CDU) aus: Das Kreuz "beeinträchtigt die Religionsfreiheit nicht, so lange es nur beiläufig von einer unbestimmten Allgemeinheit wahrgenommen wird". Außerdem obliege es der jeweiligen Behördenleitung, wie ein Dienstgebäude eingerichtet und die Einweihungsfeier gestaltet werde. Genau diese Antwort lässt Aigner Ende des Jahres auch an die protestierenden Damen schicken. Abnehmen, ist im Ministerium zu hören, werde man das Kruzifix keinesfalls. Das wiederum erzürnt nun auch die Opposition: Bei den Grünen heißt es, Aigner müsse die "religiöse Neutralität des Staates" akzeptieren. Noch schärfer reagiert die Linksfraktion: "Ministerien sind weder Gottes- noch Parteihäuser", so der Abgeordnete Ilja Seifert. Die Beschwerde von Bürgern über das Holzkreuz sei für ihn Anlass, in der kommenden Woche im Bundestag bei der Fragestunde an die Regierung "noch einmal für die Entfernung von religiösen Symbolen aus öffentlichen Bereichen zu plädieren". Erfolg dürfte er allerdings kaum haben: Was hängt, das hängt.