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Das Land der Hüftgelenke und Knieprothesen

Das Land der Hüftgelenke und Knieprothesen

In Deutschland bekommen immer mehr Menschen ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk eingesetzt. Die gesetzlichen Krankenkassen gaben dafür allein im letzten Jahr inklusive Reha-Maßnahmen rund 3,5 Milliarden Euro aus. Offenbar sind aber längst nicht alle Operationen medizinisch gerechtfertigt.

Berlin. Der aktuelle Krankenhausreport der Barmer GEK wurde gestern in Berlin vorgestellt. Nachfolgend einige wichtige Fragen und Antworten, die sich aus dem Papier ergeben.

Wie viele Hüft- und Kniegelenke wurden implantiert?

Zwischen 2003 und 2009 ist die Zahl der Erstimplantationen am Hüftgelenk um 18 Prozent auf 25,3 Fälle pro 10 000 Versicherte gestiegen. Die Zahl der künstlichen Kniegelenke nahm gleichzeitig von 14 auf 21 Fälle zu. Das entspricht einer Steigerung um 52 Prozent. 2009 bekamen rund 210 000 Patienten ein neues Hüft-, 175 000 ein neues Kniegelenk.

Was ist daran ungewöhnlich, wenn die Gesellschaft altert?

Richtig ist, dass die Zahl der implantierten Gelenke mit fortschreitendem Alter zunimmt. Über die Hälfte der Patienten mit künstlicher Hüfte sind 75 Jahre und älter. Jeder zehnte ist sogar über 90. Laut Studie hat der Anstieg der Operationen nur zum Teil mit der demografischen Entwicklung zu tun. Vom Zuwachs bei den Operationen am Hüftgelenk geht etwa die Hälfte auf die älter werdende Bevölkerung zurück. Von den Eingriffen am Kniegelenk sind lediglich 16 Prozent altersbedingt. 84 Prozent haben andere Ursachen.

Woraus resultiert der Anstieg der Operationen noch?

Nach Einschätzung des Vize-Chefs der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, empfehlen Ärzte heute häufiger entsprechende Eingriffe als früher. Die Diagnose sei "etwas breit geworden". Hinzu kommt, dass sich viele Kliniken mittlerweile auf solche Operationen spezialisiert haben. So schafft sich das Angebot auch eine größere Nachfrage. Der Hannoveraner Gesundheitsforscher Friedrich-Wilhelm Schwartz ist davon überzeugt, dass viele Operationen bei konsequenter Prävention vermieden werden könnten. Das betrifft vor allem Übergewichtige, denen die Gelenke wegen ihrer Pfunde zu schaffen machen.

Wie steht es um die Qualität der Eingriffe?

Nach Ansicht von Studien-Mitautorin Eva Maria Bitzer nicht zum Besten. Drei von 100 Hüften mussten schon nach zwei Jahren erneut operiert werden. Bei den Knien waren es sogar sechs von 100. Dennoch gebe es bei den Patienten ein hohes Maß an Zufriedenheit.

Was ist die häufigste Ursache für eine Einweisung ins Krankenhaus?

Seit 2007 verursachen psychische Störungen die meisten Behandlungstage in den Kliniken. Davor waren Krankheiten des Kreislaufsystems der Hauptanlass. 17,2 Prozent aller Behandlungstage gehen auf psychische Schäden zurück. 1990 lag der Anteil noch bei 8,2 Prozent. Jeder vierte Krankenhausaufenthalt steht im Zusammenhang mit Verhaltensstörungen durch Alkohol.

Wie lange liegt man in einer Klinik?

Grundsätzlich gilt: Die Deutschen sind immer öfter im Krankenhaus. Aber die jeweilige Dauer des Aufenthalts geht zurück. So stieg die Zahl der Krankenhausaufenthalte je 1000 Versicherte zwischen 2008 und 2009 von 182 auf 186 an. Aber die durchschnittliche Verweildauer sank von 8,6 auf 8,5 Tage.

Macht auch Arbeitslosigkeit krank?

Eindeutig ja. Arbeitslose verbringen etwa doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie Beschäftigte aus nahezu allen Berufsgruppen.