1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Das Land, in dem die Drachen hausen

Das Land, in dem die Drachen hausen

Die raueste Seite der Eifel hat der Schriftsteller und Nobelpreisträger Ernest Hemingway 1944/45 erlebt. Als Kriegsreporter begleitete der amerikanische Schriftsteller die 22. Kompanie der vierten US-Division auf dem Vormarsch in der Eifel.

Vossenack. 10. November 1944: Rote Flecken im Tal der Weißen Wehe. Blut in der Eifel. "Das Wetter war umgeschlagen. Es war kalt, ein halber Sturm wehte, und vor uns lagen wie eine Mauer die schwarzen Forste der Schnee-Eifel, wo die Drachen hausten." So beschreibt Ernest Hemingway (1899-1961) den Vormarsch der 22. Kompanie der vierten US-Division im Hürtgenwald, in der Nordeifel. Der amerikanische Meister der Kurzgeschichte, der 1926 mit dem Roman "Fiesta" berühmt wurde, ist als Kriegsreporter für das Magazin Collier\'s dabei. Seine Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg wird er im Roman "Über den Fluss und die Wälder" (1950) aufarbeiten, in dem er auch die Schlacht vom Hürtgenwald erwähnt.
"Hurtgewald", sagen die Amerikaner. Die Schlacht dort verletzt Körper und Seele. Auch die des späteren amerikanischen Nobelpreisträgers. Nach den Kämpfen in der Nordeifel ändert er seine Meinung vom Krieg. Die Bilder der Waldschlachten, die er auf wenigen Seiten in seinem Roman beschreibt, zeigen keine Heldentaten. "In Hürtgen gefroren die Toten, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren", schreibt der Schriftsteller.
Es ist eine der verlustreichsten Schlachten in Westeuropa im Zweiten Weltkrieg. Noch heute sind Panzersperren zu sehen. Fünf Monate, von September 1944 bis zum Februar 1945, benötigen die anrückenden US-Truppen, um das insgesamt 140 Quadratkilometer umfassende Waldplateau einzunehmen. "Wir bekamen eine gewisse Menge Ersatz, aber ich kann mich besinnen, dass ich dachte, es würde einfacher und zweckdienlicher sein, sie in der Gegend, wo man sie auslud, zu erschießen, als den Versuch machen zu müssen, wo sie getötet wurden, zurückzuschaffen und zu begraben", schreibt Hemingway im Roman und drückt damit die Abstumpfung und Desillusion aus, die in der Eifel herrschten.
Anfang Dezember kehrt der erkrankte Hemingway zurück nach Paris. In die Eifel kam er nie wieder. In seiner Erinnerung bleibt diese Region "eine Gegend, in der es äußerst schwierig war, am Leben zu bleiben, selbst wenn man nichts weiter tat, als dort zu sein". bc