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Das Leid der Leitstelle mit dem Digitalfunk

Oberbrandmeister Christian Zimmermann von der Berufsfeuerwehr Trier mit dem neuen Digital-Funkgerät (re.) und dem analogen Funkgerät (li).
Oberbrandmeister Christian Zimmermann von der Berufsfeuerwehr Trier mit dem neuen Digital-Funkgerät (re.) und dem analogen Funkgerät (li). FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Der Digitalfunk mache die Kommunikation der Feuerwehren, der Rettungsdienste und der Polizei störungsfrei und abhörsicher, meldet das Mainzer Innenministerium und feiert die neue Technik. Die Feuerwehren feiern nicht mit. Von Trier bis Bitburg berichten sie über Störungen, Ausfälle und Anpassungsprobleme. Rolf Seydewitz, Jörg Pistorius

Der Berufsfeuerwehrmann aus Trier bittet darum, seinen Namen nicht zu nennen. "Ich fürchte, dass mir sonst Repressalien vonseiten der Stadtverwaltung drohen." Der Brandbekämpfer berichtet, dass die einzige Berufsfeuerwehr der Region gewaltigen Ärger mit dem Digitalfunk hat, und zwar auf allen Ebenen. Handfunkgeräte können unter Atemschutz nicht sicher betrieben werden und schalten sich von selbst ab. Digitalfunkgeräte für die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr seien noch gar nicht installiert worden, da "die vielen technischen Probleme noch nicht gelöst sind".

Der Bitburger Wehrleiter Manfred Burbach spricht von großen Anpassungsproblemen. "Um uns in der neuen Digitaltechnik zu schulen, hat das Land eine Lernplattform im Internet bereitgestellt. Vor allem die älteren Kollegen kommen damit nicht klar."

Die Stadt Trier als Trägerin der Berufsfeuerwehr räumt die Probleme ein. "Die Feuerwehr Trier hat einen guten Ausstattungsstand mit analogen Funkgeräten, mit denen eine sehr gute Verständigung auch für Einsatzkräfte mit schwerer Atemschutzausrüstung möglich ist", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier. "Die Verständigung mit den digitalen Handfunksprechgeräten ist deutlich schlechter."

Offenbar haben die Feuerwehrleute - versehentlich und ohne es zu merken - immer wieder die Sendersperre ausgelöst und waren danach per Funk nicht mehr zu erreichen. Eine inakzeptable Situation im Einsatz. Frühauf:
"Dieses Problem konnte durch eine geänderte Programmierung abgestellt werden." Aber eine Fehlbedienung werde weiterhin nicht ausgeschlossen. "Das muss beim Atemschutzeinsatz als hoch kritisch angesehen werden."

Die Fahrzeuge der Feuerwehr Trier seien zu einem großen Teil mit digitalen Funkgeräten ausgestattet. Aber: "Auf den Alarmfahrten gibt es Probleme mit der Verständigung", räumt der Sprecher der Stadtverwaltung ein.

Das dickste Problem mit dem Digitalfunk hat die integrierte Leitstelle. Diese Trierer Zentrale ist zuständig für alle Feuerwehren und den Rettungsdienst in der Stadt Trier und den Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und dem Vulkaneifelkreis. "Aus der Leitstelle Trier kann zurzeit noch nicht digital gefunkt werden, da es Probleme mit der Pegelanpassung gibt", sagt Ralf Frühauf. Digital erreichbar sei die Zentrale ebenfalls nicht, die Technik sei wegen der Probleme abgeschaltet worden. Eine digitale Version des alten - und funktionierenden - analogen Funkmeldesystems FMS sei bundesweit nicht vor 2015 zu erwarten.

Das Innenministerium in Mainz weist den Vorwurf zurück, Minister Roger Lewentz (SPD) habe den Erfolgszug des Digitalfunks zu früh verkündet. Man habe am 13. März keineswegs den Start des digitalen Funkbetriebs, sondern den Abschluss des Netzaufbaus gefeiert. Die aus Trier gemeldeten Probleme können "bei der Umsetzung eines komplexen Großprojekts wie dem Digitalfunk durchaus auftreten", sagt Ministeriumssprecher Christoph Gehring.

Nach seiner Darstellung haben die Organisationen des öffentlich-rechtlichen Rettungsdiensts erklärt, dass sie 2014 mit dem Digitalfunk starten werden. "Die Kommunen, die für die Feuerwehren zuständig sind, haben bisher erst in Teilen Beschlüsse zur Umstellung auf den Digitalfunk gefasst. Das mag auch damit zu tun haben, dass die integrierte Leitstelle in Trier noch nicht voll in das Digitalfunknetz eingebunden ist."

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