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Das Porto zahlt der Empfänger

Das Porto zahlt der Empfänger

Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik wird eine Kanzlerin die traditionelle Neujahrsansprache heute Abend im Fernsehen halten. Schon deshalb muss Angela Merkel nicht befürchten, dass die Fernseh-Macher kurzerhand die Filmrolle der Aufzeichnung verwechseln.

So erging es bekanntlich ihrem Vorvorgänger Helmut Kohl. Als der Pfälzer Ende 1986 allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein gesundes neues Jahr wünschte, hatte der NDR versehentlich die Rede vom Vorjahr eingespielt - und kaum einer hat's bemerkt. Doppelt hält besser, muss sich Angela Merkel trotzdem gedacht haben. Denn was sie uns zu Gehör bringen will, steht offenbar schon in einem "Brief" an alle Bundesbürger ("Gemeinsam sind wir stärker"), der heute in zahlreichen Tageszeitungen abgedruckt wird. Steuerzahlerbund-Chef Karl Heinz Däke kritisierte die Merkel-Werbung als völlig überflüssig. Mit knapp drei Millionen Euro waren die Portokosten auch ziemlich happig. Und dass Schärfste: Zahlen muss der Empfänger. Wer eine Großfamilie leitet, müsste eigentlich bestens für ihr leibliches Wohl sorgen können. Doch weit gefehlt. Familienministerin Ursula von der Leyen, die Vorzeigemutter der Nation, verriet jetzt, dass sie für ihre sieben Kinder gerade einmal Nudeln, Reis und Kartoffeln hinkriege. "Ich koche miserabel", bekannte von der Leyen. Da ist es tröstlich zu wissen, dass die Familie wenigstens kein Sozialfall ist - auch wenn der heimische Herd öfter kalt bleibt. Ob es Vizekanzler Franz Müntefering nun wahrhaben will oder nicht: Er ist eine Marionette. Das sagt jedenfalls der Chef der Augsburger Puppenkiste, Klaus Marschall. Bei der Premiere des neuen Programms am heutigen Silvestertag ist auch Müntefering erstmals mit von der Partie. Aber der Sozialdemokrat muss nicht verzweifeln. Neben einer Müntefering-Marionette lässt das Kabarett auch eine Merkel-Puppe tanzen. Damit herrscht wieder politische Waffengleichheit. Der Berliner Andenkenmarkt geht mit der Zeit. Wer die Hauptstadt besucht, kann das alte und neue Regierungsoberhaupt im Doppelpack erwerben. Sowohl bei Gerhard Schröder als auch bei Angela Merkel handelt es sich um Engelsfiguren, die jedoch einen feinen Unterschied aufweisen. An Merkel hängt ein Schild mit der Aufschrift: "Ich will dienen." Bei Schröder heißt es: "Ich will (ver) dienen." SPD-Chef Matthias Platzeck hat juristischen Ärger. Mit dem Landrat in der brandenburgischen Uckermark, Klemens Schmitz, geht jetzt ausgerechnet ein Sozialdemokrat gegen Platzeck gerichtlich vor. Als Ministerpräsident des ostdeutschen Bundeslandes pocht Platzeck auf einen ausgeglichenen Haushalt auch in der Uckermark. Dies sei aber wegen der hohen Arbeitslosigkeit dort nicht zu leisten, kontert Schmitz, und reichte bei einem Gericht in Potsdam Klage ein. Wie heißt die Steigerung von "Freund" doch so schön? Freund, Feind, Parteifreund. Stefan Vetter