Interview zu Messerattacken: „Das Strafmaß muss höher sein“

Interview zu Messerattacken : „Das Strafmaß muss höher sein“

Nach Messerattacken in Burgwedel und Bochum fordert der Chef der Gewerkschaft der Polizei mehr juristische Strenge.

Nach der Messerattacke auf einen 15 Jahre alten Jugendlichen in Bochum (der TV berichtete) ermitteln die Behörden weiter die Hintergründe. Der mutmaßliche 16-jährige Täter und sein Opfer seien Schüler derselben Bochumer Gesamtschule gewesen, sagte ein Staatsanwalt am Montag auf Anfrage. Die beiden Teenager waren am Freitag in einer Gruppe von 20 bis 25 Jugendlichen in einem Park aneinandergeraten. Worum es bei dem Streit ging, war den Behörden zufolge auch am Montag noch unklar.

Deutschlandweit hatten zuletzt Messerangriffe von Jugendlichen für Erschütterung gesorgt. Am Samstag wurde eine 24-Jährige in Burgwedel bei Hannover verletzt. Der Zustand der jungen Frau ist weiterhin kritisch. Sie schwebe noch in Lebensgefahr, erklärte ein Polizeisprecher am Montag. Die 24-Jährige und ihr Begleiter waren am Samstag in einem Supermarkt der niedersächsischen Stadt zunächst mit zwei 13- und 14-jährigen Jugendlichen aneinander geraten. Auf dem Heimweg trafen sie erneut zusammen – zu den beiden Jungen war nach Polizeiangaben inzwischen ein 17-Jähriger gestoßen. Demnach kam es dann nochmals zu einem Streit, bei dem der 17-Jährige die Frau niedergestochen haben soll. Die Angreifer konnten zunächst flüchten, wurden aber kurze Zeit später gefasst. Alle drei sind nach Polizeiangaben syrische Flüchtlinge.

Auch wenn es dazu keine bundesweite Statistik gibt, laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die Zahl der Messerangriffe in Deutschland deutlich zugenommen. Das würden die Beamten von ihren Einsätzen berichten, so GdP-Chef Oliver Malchow im Gespräch mit unsererem Korrespondenten Hagen Strauß.

Herr Malchow, Berichte über Messerattacken häufen sich. Gibt es tatsächlich eine Zunahme?

OLIVER MALCHOW Unsere Kollegen schildern uns, dass es gefühlt eine Zunahme von Messerangriffen gibt. Eine bundesweite Erhebung dazu liegt aber nicht vor. Deswegen fordern wir, Angriffe mit Messern in der Kriminalstatistik zu erfassen.
Bislang gilt das nur für Schusswaffen.

Aber eine bloße Erfassung verhindert keine Taten.

MALCHOW Das stimmt. Aber eine Verschärfung des Waffenrechts, die manch einer ins Gespräch gebracht hat, bringt auch nichts. Denn Messer stehen in jedem Haushalt zur Verfügung – vom Brotmesser bis zum Teppichmesser. Wo will man da anfangen und aufhören? Ein Verbot hilft nicht weiter.

Was schlagen Sie vor?

MALCHOW Der Angriff mit Messern muss bei Gerichtsverhandlungen anders bewertet werden, und zwar nicht mehr als schwere Körperverletzung, sondern eher im Bereich des Totschlags. Wer jemanden mit einem Messer attackiert, nimmt schließlich billigend in Kauf, dass das Opfer stirbt. Es muss klarer werden, wie gefährlich ein solcher Angriff ist. Entsprechend muss das Strafmaß dann auch höher ausfallen. Davon versprechen wir uns eine abschreckende Wirkung.

Zücken vor allem Jugendliche immer öfter ein Messer?

MALCHOW Es sind natürlich jüngere Täter, aber nicht unbedingt nur Jugendliche. Auch kann ich nicht bestätigen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Messer mit in die Schule nehmen. Das ist eher die Ausnahme. Was wir feststellen ist, dass auch bei häuslicher Gewalt öfter zum Messer gegriffen wird. Das verwundert nicht, weil in jedem Haushalt welche herumliegen. Das sind dann meist ältere Täter.

Gibt es einen Anstieg bei den ausländischen Tätern?

MALCHOW Das kann man so nicht sagen. Ich habe dazu keine Erkenntnisse. Grundsätzlich beobachten wir, dass das Aggressionspotential bei Jugendlichen insgesamt größer geworden ist.

Was raten Sie denn den Polizeibeamten?

MALCHOW Das Thema Eigensicherung ist besonders wichtig. Inzwischen muss man als Polizeibeamter fast schon bei jedem Einsatz damit rechnen, in irgendeiner Form angegriffen zu werden. Messer können verdeckt getragen werden, insofern ist extreme Vorsicht geboten.

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