Den Finger in der Wunde

Keine Frage, die Pleite bei der Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit macht der Bundesregierung am meisten zu schaffen.

Keine Frage, die Pleite bei der Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit macht der Bundesregierung am meisten zu schaffen. Was sich mit der Hartz-Reform in Wohlgefallen auflösen sollte, trägt eher zur Verschärfung des Problems bei. Ursula Engelen-Kefer, die streitbare DGB-Vizevorsitzende, hat jetzt den Finger in die Wunde gelegt: Durch das Kompetenzgerangel zwischen Bundesagentur für Arbeit und Kommunen bleibt die Jobvermittlung praktisch auf der Strecke. Von den 150 "Kunden", die ein "Fallmanager" betreuen sollte, ist die Wirklichkeit noch meilenweit entfernt. Lediglich bei den Langzeitarbeitslosen unter 25 wird das angepeilte Betreuungsverhältnis von 1:75 inzwischen erreicht. Einmal davon abgesehen, dass das Grundübel schlicht in den fehlenden Arbeitsplätzen liegt, so klingt es doch reichlich seltsam, dass ausgerechnet Engelen-Kefer die Kritik-Keule schwingt. Schließlich sitzt die DGB-Frau zugleich im Verwaltungsrat der Nürnberger Bundesagentur, welche für schnelle Abhilfe sorgen müsste. Darüber hinaus ist Engelen-Kefer Mitglied im Vorstand der SPD zu finden. Also jener Partei, auf die das Konstrukt der Arbeitsgemeinschaften zwischen BA und Kommunen zurückgeht, deren mangelnde Durchschlagskraft Engelen-Kefer jetzt beklagt. Da sich diese Organisationsform nicht mehr zurückdrehen lässt, müssen sich die beteiligten Seiten wohl oder übel zusammen raufen. Engelen-Kefer macht es sich jedenfalls zu einfach, wenn die Bundesagentur fortan die Arbeitslosen vermitteln soll und die Kommunen für die Beschäftigungsgesellschaften verantwortlich zeichnen. Ebenso gut könnte man auch gleich die vernünftige Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe abwickeln. Das kann niemand wollen. nachrichten.red@volksfreund.de

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