Der Boom verpflichtet

Biogasanlagen schießen in der Region seit Jahren wie Pilze aus dem Boden - ein Ende des Booms ist nicht absehbar. Rund 40 stehen inzwischen allein im Kreis Bitburg-Prüm. Die Idee, aus Gülle und nachwachsenden Rohstoffen Strom und Heizwärme zu erzeugen, klingt verlockend.

Besonders für Landwirte in der strukturschwachen Eifel, die eine solche Perspektive als Zulieferer und Betreiber dringend brauchen. Die Umwelt wiederum profitiert durch die Einsparung an Kohlendioxid. Doch je erfolgreicher die Technik und je größer die Dimensionen, desto wichtiger werden auch die Sicherheitsaspekte. Ausgerechnet der Zwischenfall im Vorzeigeprojekt Nusbaum warf vor Jahresfrist erstmals einen Schatten auf die Wachstumsbranche. Es dauerte quälend lang, bis endlich ein Gutachten vorlag. Dessen Ergebnis - ein kompliziertes Ursachen-Bündel hatte zu der Explosion geführt - fiel nicht wirklich beruhigend aus. Über die Ursache des jüngsten Unfalls - pikanterweise erneut in Nusbaum - ließe sich derzeit nur spekulieren. Wirklich überraschend kommt er aber nicht. Betreiber beklagen den hohen Arbeitsaufwand der Anlagen wegen immer wieder auftretender technischer Störungen. "Biogas kann ein Abenteuer werden" - die TV-Schlagzeile vom Dezember hat sich in erschreckender Form bestätigt, denn diesmal wurden sogar zwei Menschen schwer verletzt. Spätestens jetzt müssen die Alarmglocken schrillen. Nicht panisch, aber zügig und nachhaltig muss aufgeklärt werden. Das gilt für das aktuelle Unglück und darüber hinaus für seine Bedeutung für andere Anlagen. Denn offensichtlich (und verständlicherweise) ist die junge Technik noch nicht ausgereift. Biogas-Nutzung kann beim Energiemix der Zukunft eine wichtige Rolle spielen und sichert Arbeitsplätze. Umso größer ist die Verantwortung von Forschern, Herstellern und Betreibern, eine sichere Basis zu schaffen. m.hormes@volksfreund.de